 Geburten der
Stimmung und des Zufalls, die nur zu Vorhimmel und Vorhölle führen sollten, zu
Pförtnerinnen von Himmels- und Höllentoren macht -
    Beide kleideten voreinander die eigentümlichsten Gefühle in allgemeine Sätze
ein. Aber als Vult hinter dem Schirme ins Bett einstieg, sagt er: »Versetze mir
nichts darauf - denn ich stopfe mir eben die Ohren mit dem Kopfkissen zu -, aber
ich glaube selber, ich hätte dich bisher noch besser lieben können.« - »Nein,
ich dich«, schrie Walt.
 
                           Nr. 56. Fliegender Hering
                        Brief des Biographen - Tagebuch
Gegenwärtiger Biograph der jungen Harnische bekam nach dem Abschlusse der
vorigen Nummer (des sogenannten Pfefferfrasses) von dem Hasslauer Stadtrate vier
neue - nämlich den fliegenden Hering 56, den Regenpfeifer 57, die Giftkuttel 58
und die Notenschnecke 59 - samt einem äußerst wichtigen Tagebuche Vults über
Walt. Darauf antwortete er den trefflichen Testaments-Exekutoren folgendes, was
durchaus als ein Zeitstück der Flegeljahre hereingehört.
                                     »P. P.
Indem ich Ihnen, verehrlicher Stadtrat und Vollstrecker, die Ausarbeitung der
55sten Nummer Pfefferfrass zusende und den Empfang der vier neuesten Naturalien,
der Nummern 56, 57, 58, 59, desgleichen des Vultischen Tagebuchs bescheinige:
leg' ich zugleich die vier Kapitel für das Nummern-Viereck bei, welche ich
dadurch geliefert zu haben hoffe, dass ich das Vultische Tagebuch unzerzauset
einwob und es durch Überschriften in Kapitel schnitt und andere Drucker-Sachen
anflocht, z.B. Gänsefüsse, um Vults jetzige Worte von meinen künftigen zu
scheiden. Man griffe ohne weiteres meinen Charakter an, wenn Sie mich deshalb
etwan einen Schelm, einen Naturalien-Räuber schölten und einen Arbeits-Knauser.
Säh' es ein verehrlicher Hasslauer Stadtrat etwan lieber - was so unmöglich zu
glauben -, wenn ich den herrlichen Vult, einen zwar außen ungemalten, aber innen
schön glasierten Sauertopf, mit meinen Töpferfarben umzöge? Oder kann irgendein
Testament ansinnen, dass ich einem fremden Charakter etwas aus meinem eignen
vorstrecke? Mich dünkt, ich und sämtliche poetische Weberschaft haben oft genug
bewiesen, wie gern und reich wir jedem Charakter - und wär' er ein Satan oder
Gott - von unserem leihen und zustecken. Wir gleichen am wenigsten - dies dürfen
wir sagen - jenem englischen Geizhalse, Daniel Dancer, welcher auf einen fremden
Acker nichts von dem, was die Natur bei ihm übrig hatte, wollte fallen lassen,
sondern wie toll vorher auf seinen eignen rannte mit der Sache. Sondern recht
freudig leihet der Romancier alles, was er hat und was er ist, seinen
geschriebenen Leuten ohne das geringste Ansehen der Person und des Charakters!
Folglich hätte wohl niemand Vults Tagebuch so gern umgeackert und besäet als
ich, wär' es nötig gewesen.
    Andere Gründe,
