, der sich mit
keinen Lastertaten befleckt hat? Gehört zur Hochachtung nicht mehr?
    Herr Stark erinnerte sich der Freude des alten Schlicht über den Ton worin,
sein Vater von ihm gesprochen hatte, ward besänftigt, und setzte sich wieder. -
    Ich habe Ihr Wort, dass Sie meine Freimütigkeit mir verzeihen wollen; und
so lassen Sie mich ein für allemal, um Ihrer und Ihres Vaters Zufriedenheit
willen, über diesen Punkt meine geheimsten Gedanken sagen! - Ihr Vater hielt Sie
für keinen bösen, aber für einen schwachen, für einen auf sich selbst
beschränkten, zur Sinnlichkeit, Weichlichkeit, Eitelkeit ganz sich hinneigenden
Charakter. Nach dem, was er von Ihnen sah, von Ihnen hörte - denn Ihr Gutes
verbargen Sie ja vor ihm - konnt' er kaum anders, sondern musste Sie dafür
halten. Er dachte Sie im vollen Gegensatz mit sich selbst; und sich selbst
konnt' er doch wahrlich! auch bei der strengsten Unparteilichkeit, mit keinen
andern Augen ansehen, als womit alle Welt ihn ansieht: mit Augen der Billigung
und der Achtung. Daher sein Ton gegen Sie: ein wirklich empfindlicher,
ärgerlicher, kränkender Ton, der mir von jeher missfiel, den ich gegen meinen
Sohn, wie ich auch immer von ihm urteilen möchte, ewig nicht brauchen würde,
auch freilich, weil mir Witz und Laune dazu versagt sind, nicht brauchen könnte;
der aber aus dem ganzen Geiste und Herzen des Alten zu natürlich hervorging, als
dass die Abänderung desselben, solange er Sie in dem alten Lichte betrachtete,
je gehofft werden durfte. - Ihm diesen Ton zu nehmen, war kein anderer Weg als
ihm sein Urteil von Ihnen au nehmen; und dieses - er ergriff hier die Hand des
Schwagers, und drückte sie ihm mit Wärme - dieses ist ihm genommen.
    Herr Stark hatte mit Ruhe gehört, und schwieg auch noch jetzt. Der Doctor
bekannte ihm, dass er die ganze Geschichte der Aussöhnung mit Lyk, nebst Allem
was darauf gefolgt sei, dem Alten erzählt habe, und schilderte ihm die große
Rührung desselben nicht ohne eigene Rührung. - Treten Sie ihm jetzt unter die
Augen, und Sie werden einen ganz andern Blick von ihm sehen. Reden Sie jetzt mit
ihm, und Sie werden einen ganz, andern Ton von ihm hören. - Wahrlich, Herr
Bruder! wenn Sie auch alle die kleinen - Schwachheiten will ich nur sagen -
beibehielten, die er sonst an Ihnen bespöttelte: er würde sie nicht mehr
bespötteln; er würde sie immer noch weg wünschen, aber sie dem uneigennützigen,
großmütigen, edeltätigen Manne, den er jetzt in Ihnen erkennt, mit Freuden,
zu Gute halten. Nur Annäherung, Aussöhnung, Vertrauen! - und ich schwöre Ihnen,
Sie
