 der Bestimmung und in
den Bedürfnissen so ähnlich, wie verschieden aber die Verwendung körperlicher
Fähigkeit, durch die verschiedenen Anstalten des Wesens, welches in den Menschen
wohnt und sie belebt. Emilie bemerkte den schnellen Wachstum unsers Karmils,
natürlich dachte sie an Bedürfnis seiner Kleidung, und kam auf den glücklichen
Einfall, ihm von unserm Flachsgarne Rockchen zu stricken: mich lehrte sie von
der Wolle unserer Matratzen grobes wollenes Garn spinnen, und da sie sich dunkel
erinnerte, ihre Amme bei dem Zwirnen der Faden beobachtet zu haben, machte sie
auch einen Versuch damit, der vortrefflich gelang; und von diesem warmen Garne
bekam Karmil auch ein Wämschen, welches mir Lust gab, eine Weste für mich zu
stricken. Sie wissen dass ich Eisendrat von mehrerer Gattung zu Vogelbauern mit
auf die Insel brachte, und dann schon im ersten Jahre noch Stricknadeln für
Emilien machte, nun verfertigte ich welche von größerer und dickerer Art für
mich, und brachte wirklich eine Weste zu Stande, welche mir meine zwei tuchenen
Kleider schonen half, so dass ich recht hatte zu behaupten, dass Phantasie,
welcher man meist nur die Ideen der Verschönerung zuschreibt, bei mir die
Grundlage einer wahren Wohltat wurde; denn nach strengem und gerechtem Urteile
der Vernunft, war der Ankauf von so vielem Drate zu Vogelbauer nach den
Umständen in welchen ich Philadelphia verließ, eine wahre tadelhafte Phantasie,
aber durch den Gebrauch welchen das Bedürfnis einer Presse, Strick-und Webnadeln
mich davon machen lehrte, erhielt diese Phantasie den Wert der Weissheit; wurde
also mehr als der Zufall, welcher oft Gutes findet, und Nützliches schafft.
    Ich lächelte hier ein wenig, Wattines sagte munter: ich bin sicher, ernster
Teutscher! dass Sie in diesem Augenblicke an die französische National-Eigenliebe
dachten, welche immer das, was sie vornimmt, mit einem erhöhten Glanze umgibt.
Diese Äußerung war mir auffallend und unerwartet, und setzte mich in
Verlegenheit, denn wahrlich, ich würde bei Wattines niemals an die berüchtigte
französische Eitelkeit gedacht haben, weil er es gewiss nicht verdient, und mein
Herz ihn und seine Frau mit Verehrung betrachtet und denkt; auch versicherte ich
ihn, dass ich, weit entfernt ihn so zu beurteilen, selbst für das seiner Nation
zugeschriebene leichte Denken, eine wahre Hochachtung hege, und wenn alle seine
Landsleute das edle Geschenk des schnellen Laufs ihrer Lebensgeister so schön
verwendeten wie er und seine Emilie, so achtete ich es für das höchste Glück
dieser Erde.
    Machen Sie keine Entschuldigung, mein Freund, da Sie wirklich durch dieses
rasche Wogen unserer Gedanken, sich beleidigt halten können.
    Ja, dachte ich, denn gewiss lag, unter der Hülle des Ausdrucks: ernster
Teutscher! ein versteckter Sinn, welcher auf das gelindeste, schwerfälliger
Teutscher,
