
nie etwas suchen werde, als wozu ich Recht habe, und dazu ist ja der gerade Weg
immer der beste.«
    Ernst traf hier, ohne es noch zu ahnden, gerade den rechten Gesichtspunkt,
den der Präsident bei der Anstellung Renots im Auge gehabt hatte. Er, der an dem
kleinen Hofe gerne die Politik ausübte, wie sie an großen im Gange ist, um seine
Geisteskräfte alle zu gebrauchen, hatte Renot dem Fürsten zum Sekretär gegeben,
weil er gerade einen so gewandten und ihm zugetanen Menschen an dieser Stelle
brauchte. Der Fürst hatte unter vielen Eigenheiten auch die, dass er gewisse
Dinge gern allein tat und seine Minister und geheimen Räte nicht alles wissen
lassen wollte. Da dieses nun eine Eigenheit an einem Fürsten ist, welche
Minister und Räte an kleinen Höfen ebenso wenig vertragen können als die
Minister und Räte an großen, so mussten sie natürlich diese ihnen unangenehme
Eigenheit für sich so unschädlich als möglich zu machen suchen. Nehmen ließ der
Fürst sie sich einmal nicht; das hatten sie erfahren. Renot war nun freilich der
Mann zu einem solchen Zwecke. Er legte, sobald er den Fürsten kennengelernt und
das Verhältnis nebst allen daraus für ihn entspringenden Vorteilen durchschauet
hatte, den Franzosen so weit als möglich ab und stellte nur den biederen,
einfachen, treuen Schweizer dar. Der Fürst war mit ihm zufrieden; denn Renot
besaß die Kunst, ihm jede Arbeit leicht und nach seinem Sinne zu machen. Und um
diese Zufriedenheit bis zum Zutrauen zu erheben, zeigte er ihm bei jeder
Gelegenheit das, was Große so gern an Kleinen sehen: eine besondere
Anhänglichkeit und Ergebenheit; und er wusste es so zu drehen, dass er dieses noch
mehr für den edlen Mann als für den Fürsten zu fühlen schien.
    Der Präsident versuchte nun, Ernsten einige Regeln über sein Betragen gegen
den Fürsten zu geben, und legte besonders auf diese einen starken Nachdruck: da
der Fürst das Kühne und Mutige nicht liebe, so möchte er ja zurückhaltend in
seinen Reden sein.
    Ernst hörte ihn ruhig an und sagte:
    »Ich gehe zu dem Fürsten, ihm die Achtung zu bezeigen, die er von mir, von
jedem unter uns, von jedem seines Volks und von jedem Deutschen verdient. Kann
ich ihn von diesem meinem Bewegungsgrund überzeugen, so habe ich meine Absicht
schon erreicht.«
    Der Fürst erlaubte Ernsten schon auf den folgenden Morgen Zutritt. Gerne
hätte ihn der Präsident an den Hof begleitet, aber er wusste, dass er darum doch
weiter nichts erfahren würde; denn der Fürst hatte auch die Eigenheit, dass er
den Zutritt in das Innere seines Kabinetts erlaubte und sich da gern allein und
ungestört mit denen unterhielt, die er sehen und kennenlernen wollte.
    Dem Fürsten gefiel nun
