 zu wenig Leidenschaft
da. Witz und Ränke gehören in das Reich des Verstandes und der Feinheit; die
Musik verlangt Abwechslung von Tönen, und die Gescheidteit verträgt nur die
meistens monotone gewöhnliche Aussprache.«
    Hildegard unterbrach ihn hier, und sagte: »Man scheint dies so gefühlt zu
haben, dass man das Rezitativ ganz weggelassen, und nur Arien, Finalen und Chöre
beibehalten hat.«
    Er fuhr fort: »Unnatürlich genug! Die Italiener beobachten die Einheit, und
zeigen dadurch ein weit feineres Gefühl.«
    »Die vornehmen gesitteten Leute, welche Spassmacher nicht leiden können,
sollten in keine Opera buffa gehen.«
    »So bald die Leidenschaften nicht mehr schicklich sind in den Augen der
Vernunft, werden sie komisch, ihr Vortrag mag auch noch so ernstaft sein. Ein
hässlicher kleiner Kerl Scarron, das Z, und die hohe junge Schönheit Maintenon
machen allezeit ein komisches Paar; das geistreichste Betragen auf seiner, und
das sittsamste auf ihrer Seite können das Komische nicht wegbringen, sondern
erheben es vielmehr. (Dies schoss der guten Mutter auf.) Ein eifersüchtiger
Alter, eine verliebte Alte, eine koquette Alte sind Personen der Opera buffa;
ein Don Quischott, der allein eine Armee angreift. Das Lächerliche sowohl in der
Poesie als Musik entsteht gewöhnlich durch Kontrast.«
    »Die neuere Opera buffa hat durch Erfindung der Finalen eine ganz eigne Form
erhalten. Sie sind eine Nachahmung der Katastrophen in den tragischen Opern; das
heroisch-Furchtbare ist menschlich und gesprächig geworden; das schreckliche
Tragische gar süß gemildert. Die Finalen von Sarti, Paesiello und Cimarosa sind
Meisterstücke. Die Form ist so glücklich schön, dass man nun schon viele Jahre
nach einander sich an derselben nicht satt hören kann.«
    »Die ersten bekannten Finalen dieser Art sind eben in der buona figliola von
Piccini; welcher sie von einem unbedeutenden Palermitaner aufgenommen haben
soll.«
    »Der Stoff zu dieser Operette ist etwas Gewöhnliches, und es gibt viel
bessere ältere Texte. Das gute Mädchen ist ein Findling, dient als Gärtnerin;
der Marchese della Konchiglia verliebt sich in sie, und will sie heiraten.
Seine Schwester ist mit dem Kavaliere Armidoro versprochen, welcher deswegen die
Ehe rückgängig machen, will. Sie wird also weggebracht; durch einen Deutschen
Soldaten jedoch dabei bekannt, dass sie die Tochter eines Deutschen Obersten ist,
die während des Kriegs in Italien verloren wurde; und alles läuft glücklich ab.«
    »Paoluccia, die Kammerjungfer der Marchesin, und eine Bäuerin Sandrina
machen die Intriguen; ein Bauer Mengotto den Liebhaber von ihr; und das gute
Kind wird auf mancherlei Weise gefoppt und verfolgt.«
    »Der Gang des Stücks ist ziemlich gut gehalten; das Ganze aber mehr naiv als
komisch; der Deutsche Soldat
