 unter die
ersten tragischen Meister. Wir werden nächstens seine Bahn durchgehen, und
wollen uns das Vergnügen nicht unterbrechen.«
    »Glucks Armida muss mit allem ihrem Pomp doch der von Jomelli weichen. Die
einzige Szene, wo sich Armida in den schlafenden Rinald verliebt, fehlt diesem.
Sie macht einen reizenden Anfang der Leidenschaft. Der Italiänische Dichter ließ
sie aus, um das Ganze nicht zu weitläuftig zu machen. Der Schluss ist bei Glucken
voll Feuer; kommt aber dem im zweiten Akt von Jomelli an Schönheit, Pittoreskem
und Leidenschaft nicht gleich.«
    Renaud. Tragédie lyrique en trois Actes, par Sacchini.
    Auch diese kannte Lockmann.
    »Eigentlich die Aussöhnung der Armida mit Rinalden. Das Gedicht ist nach dem
Tasso, und hat nichts Hervorstechendes; doch ist es oft gut für die Musik mit
einzeln schönen Stellen.«
    »Die Musik ist rein, Neapolitanisch schön durchaus; nichts beleidigt, oder
greift zu rau an; sie macht Vergnügen, ergreift aber selten, und erschüttert
fast nie. Sich an den süßen Tönen schöner Kehlen zu weiden in den
geschmeidigsten Melodien und Harmonien, scheint immer Sacchini's Zweck für die
Zuschauer gewesen zu sein.«
    »Der dritte Akt ist das Vortreflichste darin. Die erste Szene, die einen
Wald beim Schlachtfeld vorstellt, hat Patos und Pittoreskes; aber doch mehr
angenommenes, als eigentliche Natur. Für die Menge bleibt sie jedoch von großer
Wirkung; besonders die Arie der verzweifelnden Armida: Ciel injuste! Die darauf
folgende Kavatine: Et comment veux tu, que je vive! ist voll echter Zärtlichkeit
und Grazie, und eine Perle, so wie das Duo hernach. Sacchini'n kann man als den
ersten ansehen, der den lieblichen Styl der neueren Italiänischen Musik
eingeführt hat. Und nächst ihm seine zwei berühmten Schulfreunde Piccini und
Guglielmi; sie sind noch nicht so weichlich und zierlich, als Paesiello und
Cimarosa.«
    »Unter den Stücken zum Tanze sind die reizendsten Sachen. Das Schönste unter
allen ist Seite 74 aus dem E dur.«
    »Bei den Chören merkt man, dass er die von Glucken gehört hat. Sogar bei
Arien; als eben bei der angeführten Kavatine, die ganz in Glucks Geist ist, nur
mit süsserer Melodie und Begleitung.«
    »Den Charakter der Armida haben alle drei besser getroffen, als den des
Rinald. Doch ist er beim Tasso selbst nicht natürlich; das Heroische erscheint
zu wenig in ächten Zügen.«
    »Unter dem Allervortreflichsten dieser drei Opern behauptet Glucks Non,
jamais de l'amour tu n'as senti le charme; und die letzte Szene Le perfide
Renaud me fuit, an wahrem tragischen ungekünstelten Ausdruck und
leidenschaftlicher Erhabenheit mit Jomelli's vortrefflichen Szenen den ersten
Rang. Sacchini
