 Deutschen gemacht, welche sich dann mit einem reichen
Londoner in Verbindung setzen, um sie in Gang zu bringen.«
    Hildegard bestätigte dies mit wichtigen Beispielen; und sagte: »Ohne
Eitelkeit! der Deutsche ist unter allen neueren Nazionen der beste von Natur für
eigne erste Ideen.«
    Sie schenkte dann aus einer Flasche alten Hochheimer die Gläser voll. Man
stieß an: »Zum rühmlichen Andenken der Schwarz, Gutenberg, Kopernik, Leibnitz,
Kant, Händel, Gluck, Herschel! und auf glückliche Nacheifrung der
Unsterblichen!«
    Man stand auf, und trank den Kaffee in einem Zimmer der Mutter. Hier sah
Lockmann zuerst das Porträt des verstorbnen Vaters in Lebensgröße; es war
durchaus so vortrefflich, wie lebendig, von Reinolds, und schien recht mit Liebe
gemahlt zu sein, so meisterhaft und entschieden in der Nähe die Arbeit.
    Die Mutter sah es mit zärtlicher Rührung an, und sagte: »Sie werden
vielleicht einmal in London wenig Gemälde von diesem großen Mahler so wohl
erhalten sehen. Es wurde gleich nach der Verfertigung hieher gebracht. Die
Fettigkeit vom Rauch und Dunst der Steinkohlen füllt dort die Zwischenräume der
Lasur an. Dadurch bekommen die Gemälde in kurzer Zeit ein verdorbnes Ansehen;
und man weiß noch kein Mittel, diese Fettigkeit herauszubringen.«
    Lockmann weidete Sinn und Herz an der geistreichen, edelen und einnehmenden
Gestalt.
    Hildegard nahm ihn dann mit ihrem Bruder bei Seite, und sagte zu ihm: »Wenn
Sie noch einige Zeit haben, und nichts Bessers zu tun wissen, so gehen wir
wieder auf unsern Musiksaal. In meiner Sammlung finden Sie noch eine gute
Gesellschaft Armiden; und überhaupt ist es dort luftiger und kühler.«
    Alle und die Mutter selbst gingen dahin. Hildegard hohlte ihrer mehrere
hervor. Die erste war:
    Armide par Gluck. Text von Quinault.
    Lockmann kannte sie gar gut, und sagte darüber: »Ob sie gleich in Paris am
mehrsten ist aufgeführt worden; so steht sie doch, selbst im Teatralischen,
weit unter seiner Iphigenia in Tauris. Im Ganzen ist wenig Natur; die Teufel und
die Person Hass sind zu künstlich; und die Chöre meistens hinein gezwungen. Nur
einige Szenen ragen hervor; die, wo Armida den schlafenden Rinald töten will,
noch eine andre, und die letzte, wo sie allein bleibt von Rinalden verlassen.«
    »Glucks Musik ist hier meistens Declamazion; und die Begleitung oft voll wie
ein Wasserfall. Tänze und Chöre geben seinen Opern vor den Italiänischen großen
Reichtum. Was ihn darin von allen unterscheidet, ist die Einheit der
Instrumentalmusik durch das Ganze; und die immerwährend eigne Declamazion der
Stimmen voll Rhythmus. Es ist Gluckischer Accent, Gluckische Originalität. Der
vortreffliche Ausdruck des Heftigen, Gewaltigen und Leidenden setzt ihn
