 auflöst in der wahrhaft zärtlichen Arie des Rinaldo Karo
mio Ben, mia Vita, deh! non turbar que' rai10.«
    »Nun kommt die Ahndung der schrecklichen Katastrophe bei der Armida in dem
meisterlichen Rezitativ mit Begleitung Misera me! und der kummervollen Arie Ah,
ti sento mio povero core11! Alles ist so recht ausgearbeitet, immer in neuer
Melodie und Harmonie! nach dem Texte, nichts von Schlendrian.«
    »Die Arien des Ubald und Tankred dienen zur Abwechslung, und sind voll
harmonischer Künste.«
    »Endlich rückt die große Katastrophe heran, bei der Szene, wo Armida zu
Rinalden sagt: dove corri o Rinaldo? Wie vortrefflich alles declamirt ist!
Griechischer Rhythmus. Und nun kommt das Tragische, wo Rinald von Instrumenten
begleitet spricht: Jo gia ti lascio, gia ti lascio Armida; alles lauter innigst
gefühlte Seelenaccente tiefer Zärtlichkeit.«
    »Die heftigen Ausbrüche von Armidens Leidenschaft darauf gehören unter das
erhabenste Lyrische der Musik; und ich kenne wenig, das sich ihm an die Seite
stellen kann, recht hell und heftig brennendes Feuer; wahr klassisch, keine Note
zu viel und zu wenig.«
    Vivi felice? - Indegno, perfido, traditore -
    »Wenn man hier so fühlt, wie die Instrumente den Ausdruck verstärken, und
wie mit Blitzen in die Seele brennen: so lässt sich an dem Vorzug der neueren
Musik vor der Griechischen nicht mehr zweifeln. Welche Stellen: l'inferno tutto
svolgero contro the! Vanne, vanne! ma pensa, che nudo spirto ed ombra m'avrai
sempre seguace!12 und wie ganz vollkommen sinnliche wahre Natur sichs schließt:
Chiamarmi a nome, e sara tardi allora13. Göttliche Darstellung durchaus.«
    »Diese Szene mit der Arie Rinalds: Guarda chi lascio, guarda! ist der
Triumph der Italiänischen Musik über alle andre. Man kann nicht mit mehr wahrer
Leidenschaft, mit reinerer Keuschheit und zartem Gefühl von Harmonie und
schönerm Kontur und treflicherm Rhythmus in der Melodie, mit mehr Fülle von
Leidenschaft, und Adel, Grazie im Ausdruck solche Worte und Situazion in Töne
bringen. Deh, amato Bene, non partirò! - oh pene, oh barbaro dolore! ah mi si
spezza il cor fra tanti affanni14! Wie göttlich! welche Begleitung! Man fühlt so
recht lebendig, wie der Meister die Sprache der Töne in seiner Gewalt hat.«
    »Und eben so ist das Misera Armida der Verlassnen der Triumph der
Italiänischen Musik; klassisch durchaus mit dem Odio, furor, dispetto. Und das
Udite, o Furie, udite! vi muova il mio tormento15. Donnerkeil des Aischylos.«
    »So wie das Folgende ein wahres ganzes tragisches Gewitter, lauter reine
Stärke und Gewalt ohne Überladung. Il ciel
