 Auf- und Niederwallen beklommner Zärtlichkeit, Hoffnung
und Schwermut, Seufzer und Klagen einer liebenden Seele. Das Zusammenschmelzen
und Verfliessen der reinen Töne offenbart das innere Gefühl eines himmlischen
Wesens, welches sich mit der ursprünglichen Schönheit wieder vereinigen möchte,
von der es Schulden trennen.«
    »Der letzte Vers ist mit großer Kunst gemacht; jeder von den zwei Chören
bildet für sich ein Ganzes, und beide begatten sich gleichsam auf das innigste;
und das Adagio, piano und smorzando, macht den Triumph der Kunst vollkommen.«
    »Zwischen den Strophen des Gesanges werden immer Verse im bloßen Einklang
von den Bässen und Tenoren declamirt; welches die ganze Gemeinde vorstellt.«
    »Dieses möchte wohl die schicklichste Musik für Hebräische Poesie sein, die
aus kurzen lyrischen fast gleichförmigen Sätzen bestand, welche meistens Chöre
wechselten, und noch keine Verse von gezählten Sylben hatte.«
Darauf declamirte Lockmann ihnen den ganzen Text des Psalms in einer getreuen
und kräftigen Übersetzung; gab ihnen diese von Wort zu Wort dem Text
untergelegt; und sang mit der vollen Harmonie des Fortepiano die erste Strophe
vor, um ihnen die Art des Zeitmaasses und die Natur des Ausdrucks bekannt zu
machen; ließ dann zusammensingen, erst unter Begleitung des Instruments; und es
ging das nächstemal ohne Begleitung gut über sein Erwarten.
    Er fuhr nun fort durch alle Strophen bis zu Ende. Alle beeiferten sich, es
recht nach seinem Sinn zu machen; kein Blick, kein Ohr, kein Herz ward von dem
Ganzen verwendet, und es fing schon an gediegen und zu einem Gusse zu werden. Es
freute Alle, und noch mehr ihn, inniglich.
    Er sagte ihnen zur Aufmunterung, es sei ihm, als ob er in der Sixtinischen
Kapelle wäre; wiederhohlte es einmal, zweimal und zum drittenmal, zeigte
dazwischen dieser und jener Stimme Verbesserungen, machte sie ihnen vor, ließ
sie einzeln nachsingen; und zum fünftenmal glückte es fast zur Vollkommenheit.
    Er gab ihnen Lehren unter Lobsprüchen mit nach Hause, und morgen um dieselbe
Zeit sollte die zweite Probe sein.
    Was er jedoch für sein Ohr vermisste, waren die vortrefflichen Römischen
Kastratenstimmen. Dafür hatte er zwei Bassstimmen, Zorn und Damm, von so großem
Umfang, solcher Stärke, Tiefe und Reinheit fast durch alle Töne, dass die besten,
die er in Italien hörte, neben diesen hätten verschwinden müssen; mehrere gute,
jedoch nicht ausgebildete, Tenore; und so drei bis vier brauchbare Altstimmen.
Mit den Sopranstimmen allein war er nicht zufrieden; keine hatte genug
gebildeten Ton, Reinheit, Empfindung, und Charakter. Vier Buben hatten zwar
Süßigkeit der Kehle, aber gar zu wenig Umfang, und ihr Ton sagte wenig; jedoch
ließ sich aus diesen etwas machen. Drei Weiber waren die besten
