 verändert schon den Ausdruck eines und
eben desselben Zweiklanges. Die große Terz zum Beispiel in stiller Nacht auf
einer Laute in Andalusien vor dem Schlafzimmer einer holden Jungfrau geklimpert;
und die große Terz in stiller Nacht von einer Trompete an die Felsen eines
Lagers vor dem Feinde geschmettert: welch ein Unterschied!«
    »Durch die Klaviere besonders scheinen wir in der neueren Musik das Gefühl
für Mannigfaltigkeit von Ton gestümpft zu haben; und doch gibt es einen
Unterschied zwischen einem und demselben, sogar schönem und reinem, wie zwischen
Wasser und Kapwein. Das meiste bei unsrer Musik besteht endlich bloß in einer
Abwechslung von Konsonanzen und Dissonanzen.«
    »Die erste Eigenschaft eines Komponisten muss immer sein, dass er ein äußerst
seines und zartes Gehör für Ton hat, für die Harmonie und Disharmonie, den
besonderen Charakter von verschiednem Einklang. Dann kommen erst die Konsonanzen
und Dissonanzen; dann deren Zusammensetzung und Abwechslung zu einem Ganzen,
klein und groß. Darauf kommt es an, dass jede Art von Ton ist, wo es die Natur,
Empfindung und Leidenschaft erfordert.«
    »Dieselbe Oper von einer andern Gesellschaft vorgestellt, ist nicht mehr
dieselbe. Deswegen hat man in einem so musikalischen Lande wie Italien
eingeführt, dass Dichter und Komponisten für bestimmte Sänger und Sängerinnen
schreiben.«
    »Warum machen zwei gleich vortreffliche Meister, oder mehrere, zu denselben
Worten verschiedene Musik, auch wenn die Worte die bestimmteste Leidenschaft
enthalten?«
    »Man darf nicht mehr von der Kunst verlangen, als sie leisten kann. Zwei
gleich vortreffliche Bildhauer können, ohne von einander etwas zu wissen, von
derselben Person dasselbe Porträt machen. Nicht so wohl zwei gleich vortreffliche
Mahler; die bloße Form, die jene nachbilden, bleibt ganz dieselbe: bei diesen
wechselt schon Kolorit, Wendung und Stellung in Licht und Schatten.«
    »Nun nehmen wir zwei gleich vortreffliche Tonkünstler, zum Beispiel Sarti und
Paesiello. Diese sollen das Leidenschaftlichste, was eine große Monarchin, die
sie beide persönlich kennen, bei der wichtigsten Begebenheit ihres Lebens sagte,
in Melodie und Harmonie bringen. Wie weit werden diese am Individuellen von der
Bildhauerkunst abstehen, und von einander selbst abweichen!«
    »Wenn sie ein Drama von dieser großen Begebenheit zu Neapel aufführen
sollten, was vermöchten sie vom Individuellen oder Eigentümlichen, dem wahren
Charakter und dem ächten Ausdruck der Leidenschaft darzustellen?«
    »Das Sinnlichste und Täuschendste unter allem ist: sie suchen
1. eine Sängerin aus, die der Monarchin an Gestalt und damaligem Alter gleicht;
2. hauptsächlich denselben Ton der Stimme hat. Was aber
3. Melodie und Harmonie betrifft: diese müssen sie aus ihrem eignen Gefühl
    schöpfen; denn sie hat bloß gesprochen und nicht gesungen. Die Erhöhung und
    Erniedrigung der Stimme, den Accent können
