 von der geringsten Sache rein aufnimmt!«
    »Die Griechische Kunst war weit reicher, als die unsrige, an individuellen
Formen. Die alten Griechen und Römer stellten die alten Griechen und Römer am
besten dar. Wir Neuern haben die vollkommne Natur aller Art nicht so beisammen;
deswegen sollten unsre Künstler herumreisen, das Vortrefliche studieren und
aufnehmen.«
    »Um das Unterscheidende zu treffen, muss man erst das Allgemeine der Klasse
kennen; und folglich viel Individuelles. Deswegen setzt ein Meisterstück die
Schönheit, Vollkommenheit des Allgemeinen schon voraus. Die feinen Abweichungen
sind am schwersten aufzufassen. Wie ist der Charakter der Aspasia von dem der
Phryne unterschieden? wie von jedem schönen Weibe? Wer dies in einem Hauptzuge,
oder in wenigen angibt, der ist für den Mann von Verstand und Kenner der
Meister; durch die neue Idee, wie auf einen hohen Berggipfel hingezaubert,
übersieht dieser nachher selbst alles. Solche Züge, aus der edelen Natur
gleichsam hervorgeblüht, sind hernach Brillanten und Sterne in jedem Kunstwerk.«
    »Homer lässt die Helden ihr Leben erzählen. Dies ist freilich am wirksamsten;
nur muss man das Langweilige vermeiden.«
    »Porträte, vortreffliche, von berühmten Personen, besonders die man aus ihren
eignen Worten kennt, sind wahre Schätze für den Künstler. Die Charakter großer
Menschen von treflichen Geschichtschreibern sind Schätze für den Dichter.«
    »Was stellt die Musik dar«
    »Masse, und zugleich Bewegung derselben, durch Töne; das reine, von allem
abgesonderte, Leben in der Natur und im Menschen.«
    »Ton ist die sinnlichste Darstellung der Seele, und gleichsam das wahrste
Bild ihres reinen sich in sich selbst regenden Wesens. Veränderung desselben,
Melodie, Harmonie, Disharmonie zeigt ihr Leben.«
    »So wie die Seelen, sie mögen bestehen, woraus man will, an und für sich
selbst in ihrem Wesen verschieden sind: so sind es auch die Töne nach Art der
Massen und der Gefäße, die sie hervorbringen, und worin sie hervorgebracht
werden.«
    »Jeder, der nur einigermaßen ein gutes Gehör hat, wird im Dunkeln seine
Bekannten und Freunde auch am bloßen Ton der Stimme kennen, und von einander
unterscheiden. Im Ton der Stimme liegt etwas Charakteristisches, was die
besondere Art der Nerven anzeigt, woraus ein Mensch besteht. Für einen
Blindgebornen ist er die sinnliche Schönheit. Eine quikende, grelle, heisere,
schreiende Stimme benimmt einer Helena, einem Paris an Gestalt den Reiz. Ein
erfahrnes zartes Ohr ist eben so gut physiognomischer Sinn, als ein erfahrnes
scharfes Auge.«
    »Die mehrsten Instrumente sind Nachahmungen vom Ton der Menschenstimme;
erreichen sie aber an Mannigfaltigkeit bei weitem noch nicht, geschweige an
lebendigem Vortrage.«
    »Die verschiedene Art des Tons allein
