 diese
Verbesserung, dass man bei den Szenen und Arien, welche da in fremden Sprachen
gesungen werden, die Worte übersetze, und das Ganze angebe, worin sie sich
befinden; denn sonst ist ein bloßes Gurgeln und Trillern, mit Lärm von
Instrumenten, wobei die mehrsten schlechterdings nicht wissen, was sie denken
und empfinden sollen.«
    Der Fürst endigte die Unterredung, indem er sagte: »Ritterliche Wettstreite
werden wir an unserm Hofe halten, wenn sich Gegner für solche Bradamanten und
Marfisen finden sollten; und die andern guten Ideen zur Ausführung zu bringen,
wird nicht wenig von dem treflichen Meister abhangen, der sie uns mitteilte.
Aufmerksame Zuhörer, wahrscheinlich; einen eifrigen Befördrer hat er gewiss.«
    Hildegard gewann immer mehr des Fürsten Gunst; wenn er sie einmal bei sich
hatte, konnte sie so leicht nicht wegkommen. Sie betrug sich mit gehörigem
Anstand gegen Lockmann, und sprach weniger mit ihm, als das erste mal, doch
immer gefällig. Statt ihrer aber gesellte sich besonders die Frau von Lupfen zu
ihm, welche ihn mit ihrem Gemahl bekannt machte. Diesem musste er Duetten für
Waldhörner versprechen; wofür er freie Jagd und ein vortrefliches Gewehr dazu
bekommen sollte.
    Montags gleich nach dem Frühstück war Lockmann bei Hildegarden. Sie empfing
ihn wieder bei ihrer Mutter. Er brachte eine Oper mit sich, die er für eine der
besten unter allen Italiänischen hielt: die Armida von Jomelli. Er fing an.
    »Die Kirchenmusik ist viel allgemeiner, als die Musik der Oper, welche weit
mehr ein Werk des Genies ist, und einzelne Menschen und deren Leidenschaften
darstellen soll.«
    »Darstellen überhaupt heißt Merkmale von etwas geben, wodurch es der Seele
gegenwärtig wird.«
    »Jeder, der sich Kenntnisse sammeln und andern mitteilen will, muss diese
Kunst besitzen; und alle Wissenschaften und andre Künste beruhen auf ihr. Sie
ist die erste und unentbehrlichste von allen. Die andern sind gleichsam nur ihre
Kinder, und teilen sich in ihren Reichtum, ihr Vermögen.«
    »Die Bildhauerkunst hat die Form zum Erbteil erhalten; die Malerei die
Farbe; die Tanzkunst, im weitläuftigen Verstande genommen, die Bewegung am
Menschen; die Musik den Ton; die Poesie die Sprache; deren Vasallen sind
Beredtsamkeit, Geschichte, und alle Wissenschaften, die durch die Sprache
mitgeteilt werden. Mathematik, die durch den bloßen Raum darstellt, hat das
weiteste Reich.«
    »Wenn sich aber auch die Kunst der Darstellung mit ihrer ganzen Familie
vereinigt: so kann sie doch die Wirklichkeit nicht ganz geben; es wäre gegen den
Satz des Widerspruchs und des nicht zu Unterscheidenden. Dies soll sie auch
nicht. Alle Kunst der Darstellung geht immer auf den bestimmten Zweck, das
besondere Wesen einer Sache und ihr
