, genossen und
vergessen.
    Er wählte noch denselben Abend Musik für sie aus, um sie in allerlei
Gestalten erscheinen zu sehen, und verlangte sehnlichst, sie von ihr zu hören.
Um ungestörte Musse zu bekommen, wandt' er die folgenden Morgen zu Proben an für
die nächsten Sonntage und Feste; und verteilte das Geschenk der Äbtissin. Eine
prächtige Messe im hohen Styl von Piccini, welche dieser jüngst für die
Spanische Kirche zu Rom gesetzt, als man ihn zum Kapellmeister daran ernannt
hatte, mit der Freiheit abwesend bleiben zu dürfen, und der bloßen Pflicht, nur
zuweilen dafür zu schreiben, war das Schwerste und Schönste.
    Den andern Tag nach der Klosterfeierlichkeit traf ihn wieder im Schlossgarten
der Fürst mit Hildegarden, Mutter und Bruder, der Frau von Lupfen und ihrem
Gemahl, welche am Hofe gespeist hatten, und, nach einer Spazierfahrt, nun zu Fuß
durch den Garten wieder zurückkehrten. Die Rede kam gleich auf die beste
Einrichtung eines wöchentlichen Konzerts, welches allezeit Mittwochs sollte
gehalten werden; und der Fürst befragte Lockmannen um seine Meinung.
    Der Inhalt ihres Gesprächs war ungefähr folgender.
        »Konzert
ist eine musikalische Versammlung, Akademie; nach der ursprünglichen Bedeutung
des Worts, ein Wettstreit, Koncertatio, Certamen. In der neueren Bedeutung kommt
das Wort aus dem Französischen, und heißt so viel, als musikalische Probe;
Tonkünstler kommen zusammen, verabreden sich, und probiren die größeren Musiken,
bevor sie dieselben vor dem Volke aufführen. Jetzt ist die ursprüngliche und
neuere Bedeutung zugleich in dem Worte. Man fand die Proben so angenehm und
bequem, dass man sie selbst zu wirklichen Vorstellungen machte.«
    »Jetzt ist ein Konzert ungefähr das, was bei den Griechen Rhapsodie war: ein
einzelnes Stück, oder mehrere einzelne Stücke, aus einem oder mehreren großen
Ganzen, von Virtuosen und Liebhabern vorgetragen.«
    »In Paris und London sind sie zuweilen ein förmlicher Wettstreit, ein
Olympisches musikalisches Spiel, wo die berühmtesten Sänger und Sängerinnen und
Virtuosen aus allen Ländern von Europa zusammentreffen. Man sieht dabei weiter
gar nicht auf ein Ganzes, sondern nur auf angenehme Abwechslung und schickliche
Einteilung für den bestimmten Zeitraum.«
    »In kleineren Städten und an Höfen ist es eine wöchentliche Zusammenkunft, wo
eine Gesellschaft sich unterreden will, und die leeren Augenblicke mit Musik
ausfüllt; oder das stumme Spiel der Karten mit Musik begleiten lässt, und dadurch
die öde Stille wegbringt.«
    »Man könnte sie auf mancherlei Art zu wahren Schulen der Musik machen.«
    »1. Mit einem Teil der Einkünfte die größten Meisterstücke der Musik aller
Zeiten und Gegenden, die noch übrig sind, da sammeln, aufbewahren, und nach
einander studieren, aufführen, und mit einander vergleichen. Dies wäre unstreitig
der allerhöchste Zweck,
