 fort, dass das Klima von Italien allein die
bei weitem allervollkommensten Organe zum Singen hervorbringe, die zarten und
zugleich höchst elastischen Fibern, Nerven und Muskeln zur Lunge, Brust und
Kehle; und dass eine außerordentliche Stimme so wenig außerhalb Italiens zu
finden sei, als eine andre mit einer vortrefflichen Cremoneser Geige könne
verglichen werden.«
    Er beschrieb dann mit einer wirklich angenehmen Beredtsamkeit verschiedene
große Feste dort, wobei er zugegen gewesen war; als das Fest des heiligen
Franziskus zu Assisi, das Fest der Portiuncula, wobei er die schöne Kirche, und
die Hütte des Heiligen noch unter der Kuppel, worin ihm der erste Gedanke zu
seinem Orden war eingegeben worden, und die zwölf springenden Brunnen aus der
einen Mauerwand der Kirche für die ungeheure Menge Volks von allen Landen her,
nicht vergaß; so wie das fruchtbare Paradies das ganze lange Tal hin um Assisi.
Er erzählte ferner die letzte Wahl des ersten Vorstehers seines Ordens, eines
Deutschen, zu Rom; und beschrieb die schöne Lage ihres Klosters da, und den
Reichtum der berühmten Gemälde in demselben.
    Lockmann fiel hier ein, und sagte: »Der Erzengel Michael daselbst ist
wirklich eins der schönsten Bilder von Guido, und noch lebendig in meiner
Einbildungskraft. Der große Meister gefälliger Schönheiten hat einen himmlischen
Jüngling darstellen wollen von zauberischer Gewalt. Der Kopf desselben ist die
innigste Vereinigung reizender Männlichkeit und Weiblichkeit mit dem süßesten
Ausdruck von Unschuld, besonders im Munde. Alles aufgeblüht an ihm wie Blume
ohne Anstrengung zeigt von der reinsten Seele, fähig alles Vollkommnen. Die
Röte auf den Wangen gibt ihm allein etwas Zorniges; sonst sieht er bloß aus,
als ob er die Befehle eines Andern ausführte, gehorsam nicht eigenwillig. Das in
die Höhe wallende Haar bildet reizend die Bewegung und das Niederschweben.«
    Der Pater fügte hinzu: »Alles Nackende ist von hoher Schönheit, das linke
Bein, der rechte Arm, die linke Faust voll göttlicher Kraft. Die Rüstung zeigt
das Wunderbare seiner Stärke; so wie der Satan unter seinen Füßen.«
    Lockmann fuhr weiter fort: »Die Bekleidung allein, dünkt mich, ist ein wenig
zu mahlerisch, und hat nicht genug Wahrscheinlichkeit. Aber das Ganze bleibt
immer eins der reizendsten Gemälde voll hoher Schönheit; es vergnügt, entzückt,
und erweckt Heiterkeit in der Seele.«
    Der Pater unterbrach ihn: »Man kann den Jüngling nicht ansehen, ohne ihm
hold zu sein; er ist so recht der Inbegriff von Schönheit und Güte mit hohem
Geiste vereinigt; was man auf dieser Erde fast nicht findet. Mit einem Worte:
Guido hat das Zentrum getroffen; jeder Mensch, wess Standes er sei, würde sagen,
wenn er so etwas in Wirklichkeit sähe, und kennen lernte: es ist ein wahrer
