
welcher nun zur Ruhe gesetzt werden sollte. Dieser war noch aus der Bachischen
Schule, und machte sich eine Ehre daraus, den Vornahmen ihres großen Stifters zu
führen; übrigens ein herzensguter Mann, gründlich zwar, aber ohne viel Geschmack
und besonderen Erfindungsgeist in seiner Kunst.
    Der Fürst hatte den jungen Lockmann auf einer Reise, in Erfurt, dessen
Heimat, bei einem Fest kennen lernen, wo er in der Kirche auf dem Petersberge
gerade die Orgel spielte, und alsdann eine Messe von seiner Komposizion
aufführte. In einer glücklichen Stimmung, am Grabe und über die Geschichte des
Ritters von Gleichen mit seinen zwei Weibern, ward er von dieser Musik bis ins
innerste bewegt, so wie noch niemals von einer andern. Er erkundigte sich, wer
das heilige gewaltige Instrument so zweckmäßige nach seinem Sinn gespielt, und
die Messe so voll Andacht und Salbung gesetzt, und so meisterlich aufgeführt
habe; ließ den Künstler vor sich kommen, unterredete sich mit ihm, und Person
und Wesen und alles gefiel. Er nahm ihn mit sich, schickte ihn bald darauf nach
Italien, mit dem besonderen Auftrag, die größten Meisterstücke der Kunst dort zu
sammeln und zurück zu bringen.
    Bei der Kapelle waren brauchbare, dienstwillige Leute, die mehrsten aus dem
Lande selbst, und darunter einige, besonders für blasende Instrumente, von der
entschiedensten Anlage zu den größten Virtuosen; und in dem engen Kreise, worin
sie lebten, dachten sie glücklicher Weise über ihren wirklichen Wert noch
bescheiden. Lockmann suchte die vorzüglichen sogleich durch die größte
Aufmerksamkeit, gefälligen Unterricht und treffendes Lob bei Gelegenheiten, wo
es sie am mehrsten freuen, und zum Wetteifer anspornen musste, für sich
einzunehmen; und machte jedem in der Stille, mit ihm allein, seine Fehler und
bösen Angewohnheiten gutherzig, aber doch streng, begreiflich.
    Er hatte sich vorgenommen, bei jeder Musik, die er aufführen würde, sie
allemal vorher mit dem Geiste des Ganzen, und dann mit dem vorzüglichen Ausdruck
einzelner Stellen recht vertraut zu machen, damit sie in Masse auf einen Zweck
wirken, und er so endlich nach und nach das Ziel des Dichters sowohl, als des
Tonkünstlers erreichen möchte. Dass die von langsamen Begriffen es mit Musse
überlegen könnten, wollt' er das Wesentliche bisweilen zu Papier bringen, und es
ihnen zum Abschreiben auch für die Zukunft mit nach Hause geben. Er machte also
mit dem Miserere1 von Allegri sogleich den Anfang.
    »Diese Musik ist, nebst den Werken des Palestrina, vielleicht die älteste,
die heutiges Tages noch aufgeführt wird; und, sonderbar! es macht ihr wohl, was
Wirkung betrifft, keine andre Musik ihrer Art den Rang streitig.«
    »Sie ist abwechselnd für zwei Chöre, in fünf und vier Stimmen, geschrieben
