 ich dahin, Dorisch, und
s.w.«
    »Der Hauptmangel bei diesem rohen System war der Halbton, womit die Natur
verlangt, in die Oktave der Leiter überzugehen, gleichsam die glänzende
Morgenröte der wieder neu aufgehenden Sonne. D hatte ihn nicht, weil das Cis
fehlte; E nicht, weil das Dis fehlte; und so G und A bei dem Mangel von Fis und
Gis. Die Franzosen nennen diesen Halbton la note sensible, weil man den Hauptton
schon zum Voraus darin empfindet; und den Accord der kleinen Septime auf der
Quinte des Grundtons, welche sie mit gleich richtigem Gefühl die Dominante
nennen, l'Accord sensible, weil er die Harmonie dazu ist.«
    »Da ferner die Töne darin entweder nur eine große, oder eine kleine Terz
hatten, und dem H die Quinte fehlte: so konnte man sich gar wenig regen und
bewegen, und musste sich in der Musik gleichsam mit Wasser und Brod behelfen.«
    »Nachdem man die zwölf Töne erfunden hatte: fing man an, auf verschiedene
Weise zu temperiren, damit jeder Ton, wenigstens erträglich, jedes Intervall
sein könnte; bis man endlich zur gleich schwebenden Temperatur gelangte.«
    »Doch betrifft dies hauptsächlich nur Instrumente, wo man den Ton nicht in
seiner Gewalt hat, und besonders das Klavier; bei der Stimme und auf Geigen
entscheidet das Gehör im lebendigen Vortrag.«
    »Sänger und Virtuosen sollten aber vorher die Wirkung der verschiedenen
Verhältnisse der Intervallen wohl untersucht haben. Und dafür gibt es keinen
bessern Lehrmeister, als ein zartes reines Gehör und lebendiges Herz bei einem
guten Monochord. Schon der Stammvater der neueren Musik, Guido von Arezzo, preist
dieses in seinem kurzen Unterricht über die Musik auf der ersten Seite
vorzüglich an8.«
    »Pythagoras, der erhabene Erfinder desselben9, empfahl es auf dem Sterbelager
seinen Freunden, als den einzigen untrüglichen Wegweiser in dieser göttlichen
Kunst.«
    »Der große Haufe der gewöhnlichen Tonkünstler bekümmert sich darum sehr
wenig, und hält dies für Grillen; sie bringen aber auch oft so falsche
Intervallen hervor, dass sie ein reines geübtes Ohr foltern.«
    »Unser Klavier sollte hauptsächlich gleichsam zum Kompass auf dem weiten
Ozean der Musik dienen. Wir finden darin jede Seite ihrer Sphäre in höchster
Richtigkeit, so vollkommen, wie die Alten sie nicht kannten; und können sie die
Kreuz und die Quere, wie das geschmeidigste Element, nach Belieben, ohne zu
irren, umschiffen. Aber bei einzelnen Intervallen und Melodien aus wenig
Grundtönen kann gar wohl die reine Natur über die gesammte Kunst herrschen.
Gabrieli, Pacchiarotti, Tartini und Pugnani können ihre Konsonanzen und
Dissonanzen so rein wie möglich und in den ausdruckvollsten Verhältnissen
hervorbringen, ohne sie nach dem Bedürfnisse der zwölf Töne in
