 der Schweiz gegangen.
    »O, die heillosen drei Weiber!« sagte Hohental lachend. »Hat es mir doch
geahndet, dass bei dieser Zusammenkunft etwas Sonderbares herauskommen würde. Wir
müssen sie nun wohl ihrem Schicksal überlassen; an Nachreisen ist nicht zu
denken.«
    Fanny, ihr schönes Kammermädchen, lag ihm dabei nicht wenig im Sinn. Doch
dachte der hochstrebende Jüngling auch hier: »Vielleicht ist es gut so.«
    Kurz, sie schrieben beide ein halbes Dutzend Briefe an die drei Weiber, und
wuschen ihnen tüchtig die Köpfe, jedes nach seiner Art: die Mutter zärtlich,
rührend, und besorgt; der Sohn mit hellem Verstand und voll Feuer; dann
fertigten sie den Jäger Katt wieder als Kurier ab, und reisten gerades Wegs nach
Wien, wo der Prinz schon acht Tage vorher angekommen war, um Anstalten zu ihrem
Empfang zu treffen.
    Hildegard hatte in Mayland - wo sie sich nach der Rückkehr aus Turin einige
Zeit aufhielten, um die Briefe von Deutschland abzuwarten - ein Fortepiano von
Stein zu ihrem Gebrauch bekommen, und sang der D**** die schönen Szenen aus
Lockmanns Achilles vor. Diese konnte sich daran nicht satt hören, und erstaunte
zugleich über die vollendete Kunst im Gesang ihrer Freundin. Sie war eine
ausgebildete Kennerin, spielte selbst die Harfe vortrefflich, und brauchte ihre
Fingerkoppen nicht, wie ihre Lehrerin Madame Krumholz, mit Pomaden zu erweichen;
sondern lockte auch ohnedies die leisesten Töne, so zart wie ein Windhauch, aus
dem Instrument hervor. Hildegard erzählte auf ihr Verlangen manches von dem
jungen Meister, und machte sie zugleich mit den schönsten Szenen von Jomelli,
Majo und Traetta bekannt. Von dem letztern hatte sie die Sophonisbe ganz bei
sich. Die erhabene Szene, wo die heroische Königin das Gift trinkt, machte auf
die Herzogin und ihren Gemahl, der die Geige nicht übel spielte, und Hildegarden
sehr gut begleitete, den tiefsten Eindruck. Beide wünschten, sie auf dem Theater
mit voller Musik zu hören und zu sehen.
    Hildegard ging wenig in Gesellschaft, und sah mit Begierde und Lust nur das
Merkwürdigste in dem schönen Lande. Doch machte sie überall, auf öffentlichen
Spaziergängen, in den Kirchen und an der Tafel, Bekanntschaft mit den
interessantesten Personen. dabei konnte sie ein Abenteuer mit drei der
schönsten Damen nicht vermeiden, die ihretwegen höchst eifersüchtig auf einander
wurden, und lange in bitterer Feindschaft blieben, als Hildegard und ihre
Gesellschaft nach dem Empfang der Briefe plötzlich abreisten. Es würde zu
weitläuftig und gegen unsern Zweck sein, wenn wir solche Novellen, deren sich in
der Folge noch manche zutrugen, erzählen wollten. Hildegard ward dabei immer
gewandter und geschickter, den unerfahrnen Jüngling zu spielen.
    Die Briefe von Hause freuten Hildegarden höchlich, obgleich die zärtliche
