 Scipionen waren edel, groß und herrlich, erhabene Menschen,
und dienten doch dem Römischen Volke; Sully Heinrich dem Vierten; Türenne
Ludwigen; Schwerin und Winterfeld und Zieten dem großen König Friederich. Man
kann aber gleich an einem großen Garten sehen, ob der Besitzer ein Mark Aurel,
ein Tyrann, oder bloßer Affe ist.
    Frau von Lupfen. Man muss die Natur nehmen, so wie man sie vor sich hat; und
dann zum Nutzen und Vergnügen treflicher Menschen verschönern und brauchen.
    Lockmann. Alpen und Genferseen, und die prächtigen Wasserfälle der Schweiz
wird man dieser wohl lassen müssen; und so Rom seine Wasserleitungen, Tempel,
Theater und Amphiteater in Trümmern. Überhaupt ergötzt das Spiel auch noch so
gut nachgemachter Ruinen nur wenige Tage und Stunden. Die Evidenz des
Unnatürlichen und Unzweckmässigen ist für Verstand und Sinn zu auffallend.
    Hohental. Aber nichts desto weniger kann man Bäche rauschen lassen, wo sie
von Natur nicht rauschen; Brunnen springen lassen, um die Luft zu erfrischen,
ohne Issland gesehen zu haben, wo die Quellen von selbst so ungeheuer hoch
springen sollen; und die Pfirsich- und Aprikosenbäume an die Wände ziehen und
pfropfen, um köstlichere Früchte zu erhalten. - Auch das erhebt den Menschen,
dass die Natur ihm dienen muss, und ist gar kein schlecht Gefühl; wenn er nur ein
guter und verständiger Herr ist.
    Hildegard schwieg zu diesem allen, um ihr Geheimnis nicht zu verraten;
nämlich alle Kunst und Feinheit so viel wie möglich zu verbergen.
    Sie sonderte sich unvermerkt mit dem jungen Meister von der Gesellschaft ab,
wandelte mit ihm durch die schattigsten Gänge, und ließ sich in ein trauliches
Gespräch ein. Frau von Lupfen, sagte sie, sei ihre Gespielin von Kindheit an
gewesen; und noch ihre beste Freundin, von vortreflichem erprobten Charakter.
Ihr Gemahl, hiesiger Oberjägermeister, habe sie vor einem Jahre geheuratet; sie
wäre vor kurzem aus dem Kindbette von einem reichen Gut in Schwaben
zurückgekommen. Unglücklicher Weise habe sie dabei ihre schöne Stimme fast
gänzlich verloren, da sie vorher eine der besten Sängerinnen gewesen sei. Nichts
desto weniger aber liebe sie noch die Musik mit Enthusiasmus, und errege
Bewunderung auf dem Klaviere; spiele die schwersten Sachen von den Bachen,
Mozart, Sterkel und Klementi mit einer seltenen Fertigkeit, und habe sehnlichst
gewünscht, mit ihm bekannt zu werden.
    Feierabend sei stark in der Griechischen und Römischen Literatur, mache
artige Deutsche Gedichte, vertiefe sich zugleich in die Philosophie, habe viel
Herzensgüte, eine wesentliche Eigenschaft für seinen Stand, und nichts von
Schulmeisterdünkel.
    Dann sah sie ihn nach einer Pause von etwa hundert Schritten mit
schüchternem freundlichen Blick an, und sagte: »Wenn Ihre Geschäfte gestatten,
die Woche wenigstens einmal zu uns zu
