 wenig Wochen zugeschickt worden. Alle
freuten sich höchlich darüber, und behaupteten, dass die Italiänische Musik gewiss
nicht im Fallen sei. Besonders bewunderte man, wie leicht und gut die
glänzendsten Läufe und Sprünge für die Instrumente gesetzt waren. Hildegard
wollte nur mit halber Stimme singen; aber alles fiel ihr so in die Kehle, alles
war für den Umfang ihrer Stimme, für ihre Art und Weise, so leicht, dass sie aus
Lust das Schönste, wie auf einem großen Theater, sang.
    Die Fülle und Pracht des Instrumentenspiels hob manche Melodie ganz anders
hervor, ohne sie zu bedecken, oder zeigte sie in dem Lichte, wo sie am mehrsten
Reiz hatte. Alle behaupteten, Neapolitanische Melodie gehe über alles. Lockmann
sagte diesmal nichts über den Wert der Musik; so kamen denn Alle mit ihren
eignen natürlichen Empfindungen zum Vorschein, und man hörte, wie sehr ihr
Geschmack für Harmonie, Melodie und Rhythmus während der kurzen Zeit durch die
hohen Muster und den vortrefflichen Unterricht sich ausgebildet hatte.
    Hildegard in der Rolle des Achilles, und Lockmann selbst als Ulysses
entzückten durch ihren Gesang bis zum Jubel. Für die erste Probe nahm er nur das
Wesentliche. Bei der zweiten aber wollten Hildegard und ihr Bruder das Werk ganz
hören. Nun bemerkte man erst, mit wie viel Gefühl und Kunst es angelegt und
ausgeführt war: so blitzten und strahlten die Hauptscenen hervor, und so wich
das weniger Bedeutende zurück. Selbst Leo und Jomelli, Händel und Gluck würden
in dieser jungen Pflanzschule mit frohem und vergnügtem Lächeln zugegen gewesen
sein.
    Den Tag vor dem Konzerte war eine wilde Schweinsjagd, zu Ehren eines
durchreisenden Pohlnischen Fürsten, welcher den Prinzen von Wien aus kannte.
Hildegard konnte sich davon nicht lossagen, so gern sie auch gewollt hätte. Auf
dieser Jagd gerieten Törring und Wallersheim in einen bitteren Wortwechsel.
    Im Konzerte wurden Passionei und Hildegard allgemein bewundert. Der fremde
Fürst erstaunte über die seltene Schönheit und hohe Kunst in jeder Rücksicht. Der
Prinz zeichnete sich durch richtige und fertige Urteilskraft aus; er setzte den
neuen jungen Neapolitaner an Mannigfaltigkeit des Ausdrucks, an Reinheit und
Zweckmässigkeit noch über Majo, und an Schönheit origineller Melodie diesem wohl
gleich. Man könne hier, äußerte er, bei keiner Arie sagen, wie Gluck einmal bei
einer sonst meisterhaften von Salieri: puzza di Musica. Das hier und da blühende
jugendlich Üppige bekränze, ziere nur festlich und lebendig, wie frische
Morgenblumen eine reizende Gestalt. Kurz, Passionei könne die Kunst zu ihrer
wahren hohen Vollkommenheit bringen. Zugleich machte der Prinz Hildegarden und
dem Kapellmeister über Vortrag und Aufführung die angenehmsten Lobsprüche. Wer
Musik verstand, und Wert, Gehalt unterscheiden konnte, stimmte damit laut
überein; und fügte noch dieses und jenes im Besondern hinzu
