 sie gehört hatte,
als den Guadagni, Kaffarelli, die Agujari und die noch sehr junge Gabrieli. Die
Action, und was man in Gesellschaften den guten Ton nennt, der zuweilen bis zum
Witz und zur Persiflage ging, bewunderte sie im Vortrag der letztern vorzüglich;
und glaubte, dass sie dadurch einen nicht geringen Teil ihres Ruhms eingeärntet
habe.
    Lockmann erwiderte: »Gewöhnlich fehlt es in Italien den Sängern entweder an
Action, oder den Acteurs an Stimme; und selten findet man beides zusammen.
Überhaupt ist jetzt die Musik dort fast nur Mode geworden; man will immer neue
Manieren, Floskeln, und der große Haufe mag über das Ganze eines Stücks nicht
nachdenken. Deswegen sind die heutigen Opern der Italiener meistens im Großen
auch nicht viel wert. Das Publikum, und dann die Sänger sind Schuld daran; die
Meister müssen schreiben, wie diese wollen. Zehn Töne nach einander schnell weg
sind leichter zu singen, als ein einziger von Gewicht, der so lange, wie sie
alle, dauert, in Geschmeidigkeit, Stärke, Schönheit. Wer eine schwache Stimme
hat, oder durch die Fistel singt, sucht diese neuen Manieren, Läufe,
überraschenden Sprünge. Wenn wir wieder die großen Sänger haben, so wird auch
das Vortrefliche, wenn ich mich so ausdrücken darf, der antiken Musik wieder
aufleben.«
    »Gewiss hat Traetta seine schönsten Szenen grossenteils der Gabrieli zu
verdanken. Ohne sie würd' er die erhabenen Melodien: O di tranquilla pace amabil
sede, ascolta, o sacro tempio, i voti miei; - Dove mi guidi, o Dio! - Ombra
cara, che t'aggiri; und die ganze göttliche Oper Antigona nicht hervorgebracht
haben. Solche vortreffliche Sängerinnen und Sänger sind dem Tonkünstler eben das,
was Phryne dem Praxiteles, und die Kampaspe des Alexander, in jeder Rücksicht
eines Helden, dem Apelles waren.«
    »Ihre geschmackvolle Bemerkung, gnädige Frau, bringt mich darauf, hier ein
Wort darüber zu sagen, worin ich glaube, dass die Vollkommenheit der Sänger und
Sängerinnen, oder überhaupt der Meister, die für die dramatische Kunst arbeiten,
bestehe.«
    »Zu den vortrefflichen gehört wesentlich dreierlei: Genie; Kunst; und Welt,
oder Kenntnis der ersten Menschen ihrer Zeit.«
    »Erstens Genie. Der Meister muss sich in den Charakter seiner Personen und
deren Leidenschaften versetzen können, und dies mit Tönen ausdrücken.«
    »Zweitens Kunst. Es muss den ganzen Umfang der Harmonie, der Kehlen und
Instrumente kennen.«
    »Drittens Welt. Er muss wissen, was schicklich, guter Ton und Vortrag ist.«
    »Es gibt vielleicht keinen, oder doch nur wenige, die in allen diesen drei
Stücken gleich vollkommen sind.«
    »Selbst
