
    Die Geschichte machte auf Hildegarden tiefen Eindruck, den sie nicht
verbergen konnte. Sie drückte Palmyra an ihr Herz, und sagte dabei: »O edle
Kunst, Stolz und Zierde des Menschen! du machst uns allgegenwärtig.«
    Sie und Lockmann mussten dem Alten noch ein paar Duette singen. Hildegard
dankte ihrem Lehrer dann scherzhaft, dass er wenigstens von einigen Provinzen
Deutschlands gut gesprochen habe; und so gingen sie aus einander.
Unterdessen feierte der Prinz nicht. Er suchte Mittel und Wege, Hildegarden
allein zu erhaschen; dies war ihm aber bis jetzt noch nicht gelungen, da sie
sich so klug und fein vor ihm hütete. Er hatte, um Gelegenheit zu finden, schon
öfters ihre Mutter und ihren Bruder besucht; durch seinen Kammerdiener Lux,
einen durchtriebnen Vogel, aller Schelmstücke voll, ihr Kammermädchen zu
gewinnen getrachtet; und dieses, durch Veranstaltung auf einem Spaziergange, wo
Lux aus Ehrerbietung sich absonderte, selbst gesprochen: aber alles war
vergeblich; Fanny stand schon in Verbindung, die sie unbestechlich machte. Das
viel ältere Kammermädchen der Mutter, Susanna, eine Betschwester und eine
Deutsche, schien für seine Absichten unbrauchbar.
    Mit Wolfseck war nichts auszurichten: das sah er wohl ein. Nun ging sein
Plan darauf, sich Zeit und Spielraum zu verschaffen. Er wollte Hildegarden, auch
wider ihren Willen, nach Wien bringen: in eine größere Sphäre, wo Zerstreuungen
und Verführungen aller Art weit leichter sein würden. Mit dem jungen schönen
Lockmann argwohnte er, bald nach seinen ersten Angriffen, ein tieferes
Verständnis. Ein so kluges Frauenzimmer, meinte er, das von der Natur so
reichlich zum höchsten Vergnügen ausgesteuert sei, könne auf dieses unmöglich so
ganz Verzicht tun. Wallersheimen hielt er für zu leicht und zu geckenhaft, als
dass sie an eine ernsthafte Verbindung mit ihm denken sollte; und er hatte bei
ihm das Wahre getroffen. Von dem reizenden Kapellmeister getrennt, glaubte er,
würde sie wohl zahmer werden. An eine Verheuratung mit Törring, um nicht sitzen
zu bleiben, dächte sie wahrscheinlich eben so wenig, als an eine mit Wolfseck.
    Die Hauptstadt von Oestreich war für den jungen Hohental gewiss der beste
Ort, sich für seine künftige Bestimmung zu bilden. Dagegen konnte nichts
eingewendet werden. Die Mutter reiste wenigstens auf ein halbes Jahr mit ihm
dahin; wo konnte sie in Deutschland den Winter angenehmer zubringen, besonders
da sie in der Residenz des Fürsten keine Wohnung hatte? Dass die Tochter beide
begleitete, war höchst schicklich. Für sie besonders musste Wien, der Musik
wegen, viele Reize haben; auch konnte er sagen: dort sei Gelegenheit für sie,
eine große Partie zu machen. Er fühlte wohl, dass der Fürst, der von ihrem Umgang
bezaubert war, sie
