 abziehen: das sind die
traurigen rührenden Bilder dazu; Saiteninstrumente die schicklichste
Begleitung.«
    »Reizende Beispiele dieses Ausdrucks findet man bei den großen Meistern
überall. Eins der schönsten mag wohl gleich zu Anfang der Kantate Orfeo von
Pergolesi sein, bei den Worten: E qui nel muto orrore in dolci accenti, wo
dieser Accord nach der verkleinerten Sext auf orrore entzückende Wirkung tut.«
    »In den Verwechselungen wird er durch den Kontrast doch zuweilen grell und
schneidend.«
    »Auf ihm werden eigentlich die enharmonischen Gänge gemacht; er ist
gleichsam der Kapitalschlüssel der Harmonie, und man kann mit ihm überall
hingehen.«
    »Wenn die verkleinerte Septime auf dem verminderten Dreiklang nur Vorhalt
der Sexte ist: so schwebt sie auf der Note sensible der weichen Tonart; und
Septime und Note sensible drücken eben so die Begierde aus in eine beruhigende
Harmonie sich aufzulösen, als die kleine Septime auf der Note sensible der
harten Tonart. Beide sind zärtliche oder entzückende Berührung zur Vereinigung.
Die Note sensible schwillt unwiderstehlich in den Grundton; die Septime schmilzt
in die reine Quinte, entweder unmittelbar, oder indem sie durch die Sext sie
erst betastet, und die Fülle der kleinen Terz und falschen Quinte bildet sich
zur Terz des Dreiklangs.«
    »Man streitet über den Ursprung des Accords der übermäßigen Sext; je nachdem
man die Quart oder die Quinte dazu nimmt, kann man ihn von zweierlei
Septimenaccorden herleiten: dem Accord der kleinen Septime auf dem verminderten
Dreiklange, und dem Accord der verkleinerten Septime. Die erste Herleitung hat
die Geschichte der Musik für sich. Die Alten brauchten den Terzquartenaccord, um
zu einer Art von Schluss auf der Dominante der weichen Tonarten zu gelangen. Wir
tun dies ebenfalls, und erhöhen nur die Sext einen halben Ton, um zur Dominante
die Note sensible zu erhalten, welche jenen fehlte.«
    »Andre behaupten, er sei eine Umkehrung des verkleinerten Septimenaccords,
und wollen dazu die Quinte, oder, wegen Gefahr verbotner Quinten, nur die Terz,
welche man verdoppeln kann; der Bass aber, sagen sie, werde einen halben Ton
niedriger genommen, um den Charakter der weichen Tonart im Absteigen
beizubehalten. Wenn man den Accord versetze, so komme die Septime sogleich, nur
mit der verminderten Terz, zum Vorschein.«
    »Die übermäßige Sext ist herber Übergang in die Dominante oder Quinte eines
Molltons. Ihr Ausdruck ist tiefes Weh, äußerster Schmerz, der seiner Natur nach
wenig Momente dauern kann, wie wenn man eine Wunde bekommt durch Stich oder
Hieb. Sie drückt gewissermaassen die Schärfe, die Spitze aus, wodurch das Leiden
entsteht.«
    »Im Stabat mater von Pergolesi ist sie an ihrer rechten Stelle bei den
Worten: In tanto supplicio. In der Kantate Orfeo braucht dieser
