 il mio
dolor«7! ist eine von den großen Szenen der neueren Musik. Sie macht auf dem
Theater erstaunliche Wirkung. Sabinus wird in der unterirdischen Wohnung mit
seiner ganzen Familie von Titus überrascht, und gefangen genommen.
Heldencharakter voll Gefühl herrscht durchaus. Das lange Rezitativ mit
Begleitung ist ein Meisterstück von Declamazion, Darstellung und Kunst. Venite,
o figli, al vostro sen stringete il più misero padre8; die Begleitung bei si,
son Sabino9 - Violinen und Bässe in Oktaven und hastigen Absätzen - macht einen
vollkommen heroischen Ausdruck. Epponina bittet, zum herrlichen Kontrast,
meistens in der Harmonie von verkleinerten Septimen. Göttlich sagt er
dazwischen: Il mio sangue avilisci10!
    »Gewaltiger tragischer Ausdruck ist in der Stelle: Io già lo sento, quel che
invita alla tomba, orribile di morte atro lamento11; worauf die traurigen Töne
der Hoboe und des Fagots im Einklang immer fortgehen E intorno errar mi veggo lo
stuol funesto delle larve orrende12; schöner enharmonischer, äußerst leichter
Übergang aus Es mol in E dur, durch die Sexte H zu Dis. Addio miei cari figli!
vortrefflich das cari in der Melodie ausgedrückt durch den fremden halben Ton
des, c, h, c c, Sextquintenaccord auf g. Gerad' in solchen Kleinigkeiten liegt
das höchst Lebendige der Darstellung bei der Aufführung.«
    »Göttliche Melodie alsdann in der Arie. Der weite Umfang der melodischen
Perioden verstärkt die Leidenschaft gewaltig; nè celarvi il mio dolor, ist ein
Sprung vom zwei gestrichnen F ins ungestrichne B und G, und in einem Atem das
lar ins zweigestrichne G zwei Oktaven hinaufgerissen. Dazu gehören freilich
Sänger wie Pacchiarotti. Wenn man die ganze gesammte Musik als einen Baum
betrachten wollte; so stände diese Szene wie ein zarter schlanker blühender
Spross im höchsten Gipfel.«
    »Noch mehr kann man dies von dem Rondo sagen: In qual barbaro momento io ti
do l'estremo addio! mit dem Rezitativ und dem Marsch vorher D'una vita, infelice
ecco l'infausto fine13.«
    »Rechte Muster von schönen Darstellungen tiefer tragischer Gefühle! Sarti
hat sich dadurch zu den ersten Meistern der Kunst hinaufgeschwungen. Auch mag
ihn Pacchiarotti's Vortrag nicht wenig begeistert haben.«
    »Wieder ein reizender enharmonischer Gang von As dur in E dur, durch einen
bloßen Nachschlag der kleinen Terz, bei Kostanza, anima mia! pochi momenti
restano al tuo penar14.«
    »Bei der Stelle: Un passagio è la morte, ah, non l'oscuri un ombra di timor!
15 sieht man mit Lust, wie die Musik, in der vollkommensten Kunst des
Helldunkels, sich sogleich nach dem Sinn ändert.«
    »Herrlich geht das Rondo in ein Duett aus: Ah, si
