 ausfragt, ist ganz göttlich. Die Musik steigt durch
mancherlei Töne bei Agamemnon bis in Des dur, und kommt hernach, wo er seine
Mutter als Mörderin nennt, in B moll. Es ist das Höchste von musikalischer
Declamazion.«
    »Die Schlussarie der Iphigenia: O malheureuse Iphigénie, hat großen lyrischen
Schwung, und drückt die gewaltige Fülle des Leidens im Herzen vortrefflich aus.
Doch merkt man, dass sie sich von der andern Musik unterscheidet. Mit geringer
Veränderung ist es die göttliche, in Neapel berühmte Musik zu se mai senti
spirarti sul volto.«
                                »Der dritte Akt
ist von der größten Wirkung auf dem Theater.«
    »Die wehmütige Declamazion und Melodie der Iphigenia schmelzt vorher das
Herz, damit die heftigen Schläge hernach desto tiefer eindringen. Das Spiel der
schwesterlichen Sympatie ist in der Poesie vortrefflich. Himmelschöne
Seelenaccorde in Iphigeniens Arie: D'une image, hélas! trop chérie.«
    »Die Szene, wo sie den Orestes wählt, um ihn nach Argos zu senden, ist in
der Poesie, vorzüglich aber in der Musik, äußerst rührend und zart behandelt,
voll der natürlichsten Darstellung und meisterhaftesten Declamazion.«
    »Das Duett in der vierten Szene: Et tu prétens encore, que tu m'aimes? ist
erhabner Wetteifer der Freundschaft und Heldengrösse; es gehört unter die
allerrührendsten und schönsten. Der Dichter hat die Szene vortrefflich behandelt,
damit sie nicht bloße alltägliche Moral würde. Der Ton C moll ist gut gewählt.«
    »Das nun folgende Rezitativ des Orestes gehört aber zu dem Allerstärksten,
was ich auf dem Theater kenne: Quoi! je ne vaincrai pas ta constance funeste!
Die Wiederhohlung des ne sais-tu pas? mit immer höher steigender Leidenschaft,
die Verstärkung und Erhöhung der Stimme bis zum Schreien, und die Fülle der
Begleitung, hauptsächlich die Accorde der stürmenden Posaunen, mit den
Klarinetten und Hoboen, und gegen das Ende mit den rauschenden Geigen - setzen
die kleinste Fiber der Zuhörer in Erschütterung, und machen den Triumph der
Musik über alle Künste; denn keine andre kann solche gewaltige Empfindungen
hervorbringen.«
    »Die Arie des Pylades nach diesem Sturm: Ah, mon ami, j'implore ta pitié;
ist entzückend: sie tut durch ihre reine Seelenaccente dem Herzen wohl.«
    »In der fünften Szene setzt Orest es endlich durch in einem vortrefflichen
kurzen Gesange, worin er drohet, dass er sich selbst das Leben nehmen will.«
    »Pylades beschliesst den Akt mit einer schönen Arie an die Freundschaft,
worin er den Vorsatz äußert, seinen Freund zu retten.«
    »Die mehrsten vorhergehenden Arien haben Griechischen Rhythmus, und geben
der Handlung etwas Antikes, welches die Täuschung noch befördert.«
                                  Vierter Akt.
»
