 nur im vierten durfte der Tribrachys bei der Majestät der Tragödie
sich noch blicken, lassen, äußerst selten im zweiten und letzten. Die
Komödienschreiber hatten größere Freiheit. Im ersten, dritten und fünften Fuße
nahmen zwar zur Abwechselung noch der Spondeios, Anapaistos und Daktylos ihre
Stelle ein; aber nie erschien der Trochaios. So zart war das Ohr der
Atenienser!«
    »Die Italiener sind schon zufrieden, wenn in ihren fünffüssigen Jambisschen
Versen nur zwei erträgliche Jamben vorkommen, und sie nehmen darin alle andern
Füße auf Sie haben weiter keine Regel, als den Wohlklang. Eben so die Franzosen.
Daraus entsteht bei ihren Versen, Arien und Stanzen eine unendliche
Mannigfaltigkeit; die entgegen gesetztesten Füße vereinigen sich da zusammen.
Zuweilen findet sich nach der gewöhnlichen Aussprache, selbst bei den besten
Dichtern, nicht Ein Jamb. Man nehme den Ariost in einer Menge Verse.«
»Si perfetto destrier, donna si degna,
A un ladron non mi par che si convegna;
ruft Rinald dem Sacripant in vortreflichem Rhythmus zu. Es sollen Jamben sein,
sind aber
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Anapaisten, Daktylen, und Trochaien.«
    »Die Deutschen Dichter gestatten in ihren Jambisschen Versen keinem andern
Fuße den Zutritt, und foltern in längeren Gedichten Natur und Sprache, so dass das
Ohr bei ihren besten Werken sich nach einer guten Prose und den göttlichen
Knittelversen des Hans Sachs zurücksehnt.«
    »Bei Opern, die in ihren Jamben geschrieben sind, muss der Tonkünstler für
die Menschenstimme, das Wesentliche, seinem unendlichen Reichtum entsagen, und
sich mit einer ekelhaften Armut gatten. Wahrscheinlich flickten die älteren
deswegen in der Verzweiflung Italiänische Arien ein, da die Dichter hartnäckig
taub waren und von ihrer Gewohnheit nicht lassen wollten.«
    »Es ist eine Lust anzuhören, wie Gluck die Jamben der Französischen Dichter
in alle möglichen Füße der Griechischen Poesie verwandelt; nicht an einzelnen
Stellen, sondern überall. Wir wollen bei dieser Oper gleich von vorn anfangen.«
»Diane impitoyable, envain vous l'ordonez
Cet affreux sacrifice!
Envain vous promettez
De nous être propice;
De nous rendre les vents, par votre ordre enchainés.
Non, la Grèce outragée
Des Troyens à ce prix ne sera pas vengée!
Je renonce aux honneurs, qui m'étoient destinés;
Et dût-il m'en couter la vie!
On n'immolera point ma fille Iphigénie.«
»Die mehrsten Jamben sind in der Musik in Anapaisten verwandelt:
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cet affreux sacrifice,
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de nous être propice,
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de nous rendre les vents par votre ordre enchainés.
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Des Troyens à ce prix ne sera pas vengée.
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Je renonce aux honneurs,
