 von
den Wogen an den Ufern des Meers, wenn die Weste nicht mehr in den Lüften gehört
werden.
    Lockmann bestellte Sänger und Sängerinnen zur zweiten Probe des Miserere auf
den Nachmittag; und zugleich zu einer neuen für ein kleines Werk von dem
Patriarchen der Kirchenmusik, Palestrina. Und die Gesellschaft ging höchst
vergnügt aus einander.
    »Das ist wieder ganz etwas anders!« sagt' er laut für sich, als er nach
seinem Zimmer ging. »Aber was will daraus werden!« endigte er mit einem tiefen
Seufzer.
    Er dachte schon auf Plane; aber es war ihm, wie einem Wandrer, der in ein
reizendes Tal sich verirrt, voll Bäche, Quellen, und Wasserstürze und
anmutiger Waldung, wo er aber lauter unersteigliche Gebirge vor sich sieht, und
keinen andern Ausweg findet, als wieder zurück zu kehren. Sie dachte auch auf
Plane, mit viel erfreulichern Aussichten.
    Kurz vor der Probe schrieb er die wenigen Worte nieder:
    »Fratres, ego enim accepi a Domino. Di Palestrina.«
    »Der Text sind die Einsetzungsworte beim Abendmal.«
    »Fratres, ego enim accepi a Domino, quod et tradidi vobis; quoniam Dominus
Jesus, in qua nocte tradebatur, accepit panem, et gratias agens fregit et dixit:
Accipite et manducate, hoc est corpus meum. Hoc facite in meam commemorationem.«
    »Vortrefliche Musik. Der Anfang besteht aus den reinsten Konsonanzen,
zweistimmig; Quinten, Oktaven, Quarten, Terzen, Sexten. Darauf imitirt der Alt
und Bass.«
    »Es wechseln immer zwei Chöre ab, und verflechten sich zuweilen bei den
Hauptstellen. Sie bestehen beide aus zwei Sopranen, Alt und Bass. Die Harmonie
geht nur zweimal drittehalb Oktaven auf dem tiefen B im Basse aus einander, bei
gratias agens und in meam commemorationem.«
    »Der Hauptton ist G moll.«
    »Der Name Jesus wird durch die Harmonie meisterlich herausgehoben; Dominus
ist im Accord C dur, Je in B dur und fällt durch eine Kadenz in F dur. Und im
ersten Chor sogleich von Dominus in F dur, Je in Es dur, und die Sylbe sus in B
dur. Dies scheint Kleinigkeit, ist aber bei der Aufführung von der größten
Wirkung, und stellt das Gefühl der Gläubigen dar. Es ist gerade dasselbe, als
wenn der Prediger auf der Kanzel bei dem Namen sein Käppchen abnimmt.«
    »Bei Accepit panem, et gratias agens, winden sich beide Chöre wie im Taumel
achtstimmig voll Kunst durch einander. Accipite et manducate: hoc est corpus
meum; ist am öftesten wiederhohlt, und vortrefflich ausgeführt durch die
schönsten Verflechtungen.«
    »Hoc facite in meam commemorationem, wird mit aller Pracht ausgeführt in C
dur, F dur
