 recht
originell, und ein Kleinod Deutscher Musik; Gluck dabei im Mittag seiner
Laufbahn.«
    »Der König wird auf der Stelle gesund; man stimmt einen frohen Jubel darüber
an, und tanzt. Evander singt eine Arie. Darauf wird wieder getanzt, und Admet
erscheint. Er erstaunt über das Wunder; und als er erfährt, dass Jemand sich für
ihn aufgeopfert hat, fragt er nach Alcesten.«
    »Diese kommt; und die Sache wird bekannt. Sie haben schöne Recitative, worin
wieder durchaus die verkleinerte Septime herrscht. Vor der Entdeckung noch ein
vortrefliches kleines Duett, ganz neu und rührend dialogirt: Ah, perchè con
quelle lagrime m'avveleni il mio contento?«
    »Das Rezitativ, worin die Entdeckung geschieht, ist voll von Leidenschaft;
die verkleinerte Septime und die vielen Sextquinten erheben den Ausdruck
mächtig. Admets Arie: No, crudel, non posso vivere, aus dem A moll, fällt gleich
mit der Stimme ein, und gehört zu den größten Meisterstücken dieser Oper. Die
Musik ist so vortrefflich, dass man sie gar nicht merkt; die Melodie durchaus im
stilo stretto, oder Note auf Sylbe, gar kein Instrumentenspiel, bis auf zwei
Takte zum Atemhohlen; die herbste und bitterste Pein ewiger Trennung göttlich
ausgedrückt; der Rhythmus natürlich hinreißend; das non posso vivere zuletzt auf
dem höchsten Ton, dem eingestrichnen A, der Leiter für den Tenor, ganz Natur;
die verkleinerte Septime, welche in die kleine Sext übergeht, mit dem halben Ton
in der Melodie: tu lo sai, non mi salvi, ma m'uccidi se da me dividi la più
viva, la più tenera cara parte del mio cor, ein Muster vom tragischen Ausdruck
derselben, und dieser Accord hier gleichsam im höchsten Lichte. E un si barbaro
abbandono, auf der verkleinerten Sexte mit der reinen Quinte, die Melodie in dem
Sturze der großen Septime selbst, ist ein Zug der höchsten Kunst. Virtu credi e
chiami amor, wieder die verkleinerte Septime mit dem Übergang in die kleine
Sext, und das amor auf der übermäßigen Sext wiederhohlt, verstärkt den Ausdruck
durch alle Grade.«
    »D'una vita cosi misera peggior forte, durch die halben Töne in Harmonie und
Melodie mit verändertem Takt und schnellerer Bewegung, zur höchsten Stärke der
Leidenschaft in C dur, ist ganz vortrefflich; so wie die abgekürzte Wiederhohlung
des Anfangs, und das verdoppelte schmerzliche Crudel. Die Melodie ist durchaus
eigen, und in ihren Fortschreitungen höchst leidenschaftlich: weder Italiänisch,
noch Deutsch, sondern Ausdruck allgemeiner edler Menschheit.«
    »Das kurze Rezitativ der Alceste, die den Tod herankommen fühlt, (in der
sechsten Szene) ist vortrefflich; und der Chor: Oh come rapida, im
