 an. Sie
trägt den Stempel des Gluckischen Genies, und ist warm und heiß von
Leidenschaft.«
    »Der Anfang der Handlung ist ein überraschendes Schauspiel mit der Trompete,
dem Herold und dem Chor.«
    »Der Herold hat gleich in einem Recitative von zwanzig Takten sechs volle
Takte verkleinerte Septimen, die schon in der Symphonie oft vorkommen.«
    »Der erste Chor ist vortrefflich. Die verkleinerten Septimen werden in ihrer
höchsten Bitterkeit angebracht, so wie in den Recitativen dazwischen.«
    »Der Chor der zweiten Szene: Misero Admeto, povera Alceste! ist noch
stärker. Die verkleinerte Septime wird viel häufiger, und macht das Kolorit und
den Schatten trauriger und schwärzer.«
    »Das Rezitativ der Alceste ist vortrefflich declamirt, und voll Ausdruck. Die
Arie darauf: Io non chiedo, mit dem kleinen Duett der Kinder darin, ist ein
Meisterstück: mehr Rezitativ in Arienform mit abwechselndem Takt und Tempo, als
Arie selbst; und etwas Neues ihrer Art. Man fühlt dabei die Kunst für das
Ganze.«
    »Die Recitative der Alceste sind bis hieher ohne alle Begleitung, aber
vortrefflich declamirt. Derselbe Chor schließt herrlich verstärkt und verziert.«
    »Der Marsch der Priester des Apollo ist ein großes Meisterstück voll
Charakter zu heiligen Schleppgewändern, durchaus neu.«
    »Der Ruf des Hohenpriesters: Dilegua il nero turbine, che freme al trono
intorno, mit Fagotten, Hörnern und Posaunen im bloßen C dur-Accord, ist erhaben
in Melodie und Harmonie; das Blasen drückt wirklich Sturmwind aus.«
    »Der Chor mit eben den Worten, und weiter fort, steigt immer höher, und die
Begleitung ist voll rascher Begeisterung. In der Tat ein großes Meisterstück,
und alles neu. Die Italiänischen Chöre verschwinden gegen diesen.«
    »Des Oberpriesters Gebet für den König dazwischen: A the nume del giorno, a
the del cielo ornamento e splendor, in As dur angefangen, und in Es dur geendigt,
ist ganz göttlich.«
    »Wieder eben derselbe Chor.«
    »Der Priester kündigt die Ankunft der Königin an.«
    »Derselbe Marsch.«
    »Nun Alcestens Gebet: Nume eterno, immortal; in E dur angefangen, voll hohen
Reizes.«
    »Wieder derselbe Chor.«
    »Nun der Oberpriester: I tuoi prieghi, o Regina, i doni tuoi propizio oltre
l'usatto Apollo accoglie. Dies Rezitativ, nebst dem Orakel, gehört unter das
Erhabenste in dem ganzen Vorrate der Musik, und ich kenne wenig, was ihm gleich
käme. Man glaubt in der Tat zu Delphi zu sein: so stark und gewaltig ist die
Darstellung.«
    »Mit dem Chor darauf: Che annunzio funesto! macht es ein feierliches Ganzes;
der Chor muss
