 sammelnde Empfindung, das sich
sammelnde Gefühl einer Situazion, welches sich nicht selten in einem Bilde, in
einer Sentenz äußert, wobei der Tonkünstler alsdann nicht sowohl das Pittoreske
des Bildes, den Inhalt der Sentenz, sondern, wo möglich, das Gefühl, woraus
beide entstehen, darzustellen hat. Arien sind gleichsam reizende Tuner- und
Genfer-Seen nach den wütenden Stürzen des Rhodan und der Aar, deren beim
Einströmen trübe Fluten das vorangehende, von Instrumenten begleitete Rezitativ
ausmachen; und ihre Formen können unendlich verschieden sein.«
    »Aria, nach dem Wortverstande, ist die Dauer des Ausdrucks einer Empfindung.
Quell' aria dolce del bel viso, der süße Ausdruck des schönen Gesichts; der
himmlische Schein gleichsam, den ein schönes Gesicht von sich strahlt.«
    »Die Hauptform der Italiänischen Arien ist aus einer solchen Sammlung der
Empfindungen entstanden. Die Worte werden verschiedentlich wiederhohlt, damit
das Ganze derselben tiefer eindringe und von allen Seiten gezeigt werde.«
    »Bei solchen Sammlungen scheint auch die Handlung still zu stehen; der Strom
derselben wird unmerklich; die Kehlen großer Sänger und Sängerinnen können
darin, vollkommen der Natur gemäß, ihre ganze Gewalt, ihren ganzen Reichtum,
zeigen. Ein zu rascher Fortgang beraubt die Musik ihrer größten Schönheiten, die
Oper ihres vorzüglichsten Reizes vor der Tragödie, die solche Stellen nur durch
Pantomime und Stillschweigen, bei weitem nicht so lebendig, Herz und Sinn
ergreifend durch glänzende Läufe, entzückendes Schweben auf süßen Tönen in allen
Graden von Stärke und Schwäche, und durch den Zauber der Manieren, auszudrücken
vermag.«
    »Anstatt, dass die Handlung darunter leiden sollte, gewinnt sie vielmehr an
Kraft, und schreitet dann mit genährtem und geläutertem Feuer kühner fort.«
    »Von seinem System verführt, wollte Titan-Gluck alle die schönen Seen, auf
denen die Farinellis und Faustinen so lange zu unaussprechlicher Freude
herumschwammen, herumschifften, abgraben und höchstens nur in breite Kanäle
verwandeln. Und das wäre in der Tat grausam und unvernünftig gewesen. Jedoch
hat er sich bald eines Bessern besonnen, und das Seichte, Magre einiger von
seinen Arien wohl gefühlt.«
    »Was Gluck den Arien entzog, sollte durch die Fülle der Chöre, den Rhythmus
der Tänze, die Mannigfaltigkeit und Stärke des Instrumentenspiels überhaupt,
reichlich wieder ersetzt werden.«
    »Chor ist eine Menge, die zusammensingt; Bäche und Flüsse, die
zusammenströmen und sich in Einen Lauf vereinigen.«
    »Das Bedürfnis, die Leidenschaft, muss groß und heftig sein, wenn eine Menge
auf einmal sprechen und singen soll. Die Worte müssen dann einen sehr bestimmten
Ausdruck haben. Zum Beispiel die Israeliten in der Wüste: Wasser! wir
verschmachten! Harmonie in Oktaven, in Fugen, ist dann gewiss die beste.
