 Worte sind schön:
Ascolta il nostro pianto,
i gemiti, i sospiri,
ombra, che qui t'aggiri
al mesto rogo accanto!
E passa poi felice
d'eterna pace in sen40.«
»Ganz erhaben ist der Seufzer der Antigone zwischen dem Chor ausgedrückt:
Ah, misero Polinice!«
»Nach dem Chor: O voi dell' Erebo pietosi Numi, kommt aber erst der rechte Kern,
Antigone in dem Rezitativ:
    Ombra cara amorosa, ah perchè mai tu corri al tuo riposo, ed io qui resto!
    Tu tranquilla godrai nelle sedi beate, ove non giunge ne sdegno ne dolor, ne
sdegno de dolor! ricopre ogni cura mortale eterno obblio.
    Ne più ramenterai fra gli amplessi paterni il pianto mio, ne questo di dolor
soggiorno infesto.
    Ombra cara amorosa, ah, perchè mai tu corri al tuo riposo, ed io qui resto!
41 Und in der Kavatine sogleich darauf: Io resto sempre a piangere, dove mi
guida ogn'or, d'uno in un altro orror, la cruda sorte. E a terminar le lagrime
pietoso al mio dolor, ahi, che non giunge ancor per me la morte42!«
    »Diese Musik ist, nebst der Poesie, so Accent und Ausdruck der Natur, dass
sie bei allen Völkern und in allen Zeitaltern ergreifen und rühren muss. Sie ist
auch weiter nichts, als die gefühlvollste und zugleich edelste Declamazion; und
die Arie geht in demselben Tone, nur im schnellern Pulsschlag des
Sechsachteltakts, so fort, dass man den Unterschied gar nicht merkt. Ich kenne
nichts Vollkommneres im ganzen Reiche der Musik; der schönste Ausdruck
schwesterlicher Zärtlichkeit und tiefer Trauer.«
    »Der Chor fällt alsdann wieder prächtig ein: O folle orgoglio umano! und
Antigone beschliesst himmlisch: O reliquie funeste! Dieses alles zusammen macht
das vollkommenste Ganze, und die erhabenste Leichenfeier. Es kann neben
Jomelli's Requiem aeternam stehen; nur dass alles dramatisch ist, und, was Genie
betrifft, einen höheren Rang behauptet.«
    »Noch sind in diesem Akte gute Chöre. Antigone hat auf die letzt, ein
schönes Rezitativ mit Begleitung, und eine glänzende Bravourarie, die der Kehle
der Gabrieli Ehre macht.«
            »Der dritte Akt
fängt mit einem vortrefflichen Chor an: Piangi o Tebe! Antigone fällt ein: O
Tebe, o Cittadini, o voi vicine sacre ombrose foreste, e voi di Dirce pure
sorgenti, addio! wozwischen der Chor immer erhaben tragisch fortgeht.«
    »Ismene, ihre Schwester, will nun mit ihr sterben, und ihr Gesang dient zur
Abwechslung. Darauf hat Antigone wieder ein begleitetes Rezitativ: O germana, o
Tebani; und eine Arie: Non piangete i casi
