 hörten von verschiedenen Seiten zu;
aber die Eifersucht im Herzen, und zu wenig Kenntnis, besonders bei dem
letztern, gestatteten ihnen keinen rechten Genuss. Der Prinz blieb als Kenner in
gehöriger Ferne; er hatte sich mit der Frau von Hohental und dem Fürsten den
besten Punkt erwählt, und sprach hernach auch am besten unter Allen über Musik
und Vortrag.
    Er meinte, auch der stärkste Ausdruck lasse sich mit der höchsten Schönheit
der Melodie und Harmonie vereinigen, wie hier die zwei Neapolitaner zeigten; und
die Musik wirke so weit mehr, als wenn man sie zum Schrei der Natur, oder zur
bloß erhöhten Declamazion der Worte, herunter setzen wolle. Die Worte,
wiederhohlt und mit neuen Wendungen und Gefühlen in Melodie und Harmonie, nach
der von Vinci an bis zur Vollkommenheit ausgebildeten Form, drängen um so viel
stärker ein. Gluck sei zu streng auf einmal zurückgegangen. Seine lyrischen
Schauspiele machten eine eigne Gattung zwischen Tragödie und Oper; diese Gattung
könne nur von wahrem Genie sowohl des Dichters als des Tonkünstlers bearbeitet
werden, und das Mittelmässige sei darin unerträglich. Die Kunst müsse sich auch
nach den Bedürfnissen der Menschen richten. Man gehe nicht immer in die
Schauspielhäuser, um Tumult und Aufruhr im Innern zu werden; das Ohr, dieser
göttliche Sinn, verlange auch etwas zu seinem besonderen Vergnügen. Gluck selbst
habe in seiner Iphigenia in Tauris auch schon sehr viel nachgegeben.
    »Keine himmlischere Wonne verlangt mein Herz und Ohr, gnädiges Fräulein, als
Sie die Rolle dieser Iphigenia zum Entzücken und Erstaunen, selbst der Pariser,
in jener Menschenwelt, unter der vollen, von dem Meister selbst geübten Gewalt
der Begleitung, spielen zu sehen.«
    Diese Apostrophe fasste sie recht, und durchfuhr ihr Inneres. Wenn er etwas
hätte ausrichten können, so wär' es auf diese Weise gewesen; doch sagte er dies
nicht aus Absicht.
    Sie blickte ihn darauf minder streng als vorher an, und antwortete gefällig:
»Prinz, Sie denken zu hoch von meinen geringen Fähigkeiten. Inzwischen freut es
mich, den seltenen Kenner in Ihnen reden zu hören, und Nutzen aus Ihrem
Unterricht zu schöpfen.«
    Der Prinz baute gleich sehr viel auf diese günstigen Äußerungen; sie waren
kühle Tropfen der Erquickung. Doch betrug er sich gegen sie dabei mit der
strengsten Sittsamkeit.
    Lockmann aber fing an besorgt zu werden bei dem leidenschaftlichen Wesen,
wovon er sie umringt sah. Ihm war, ob er gleich keine Frage darüber wagte, noch
nicht aus dem Sinn, wie sie auf dem Ball mit dem Prinzen in das Seitenzimmer
ging, und plötzlich, erbittert, allein daraus zurückkehrte; und mit welchem
Gesicht der Prinz hernach erschien. Auch Wallersheim erregte Besorgnis. Lockmann
war freilich bis jetzt der Glückliche; aber ihm
