 das Ganze mannigfaltig.«
    »Nach der strengsten Kritik kann man Jomelli'n, was das Ganze betrifft, nur
bei Einer Hauptscene mehr Verstand zuschreiben. Übrigens ist Majo's Komposizion
weit reicher an natürlichen Schönheiten; und es gehört eben so viel Genie dazu,
die Leiden der Iphigenia in Musik darzustellen, als die Qualen des Orest. Wenn
die Rede von der Poesie wäre: so möcht' es streitiger sein, wem der Preis
gebühre.«
    Hildegard wählte sich für das Konzert gleich Majo's Szene: Chi resister
potrìa, die sie mit den Hörnern und mit voller Musik hören wollte.
    Lockmann, als Orestes, wählte sich die Szene von Jomelli: Per pietà, deh
nascondimi almeno di quel seno l'acerba ferita! und die Jubelarie: Tornò la mia
speranza, von Majo.
    Hildegard wollte ihren Bruder rufen; Lockmann ging aber geschwind noch die
besten Szenen aus einer Ifigenia in Tauride von Traetta durch, welche er, außer
denen von Jomelli und Majo, mitgebracht hatte. Er sagte dabei: »Die Poesie der
ganzen Oper ist ebenfalls mittelmäßig, obgleich von Koltellini; die
interessanten Situazionen im Euripides sind ausgelassen: weder Freundschaft,
noch Erkennung, noch Gefahr rührend geschildert. Pylades erzählt, als es zum
Tode gehen soll, ganz kalt, wer sie sind; und Iphigenia ersticht den Tyrannen,
der sie dennoch morden will.«
    »Zwei Szenen, beide im zweiten Akt, sind unstreitig das Beste vom Ganzen.
Die erste stellt Iphigeniens Situazion auch in der Poesie vortrefflich dar; sie
fängt an: Ah, qual s'apre al mio cor tragica scena di spavento e d'orror; und
wird von Hörnern, Flöten und Fagotten meisterhaft begleitet. Die Arie:
Che mai risolvere! che far poss'io!
mi struggo in lacrime, morir desio,
nè basta a uccidermi il mio dolor38;
ist erhaben und klassisch; vortreffliche Musik durchaus, und zugleich edler
Ausdruck. Traetta ist der Vater dieser Art Bravourarien, in denen eine schöne
Stimme sich mit aller Pracht hervortun kann, und die der Schmuck des Ganzen
sind.«
    »Die Quart ist bei der Frage auf: risolvere? in ihrem allereigentlichsten
Ausdruck, Ungewissheit, gebraucht, und ergreift Ohr und Herz in der höchsten
ursprünglichen Schönheit. Wie schwebt die Stimme hernach auf che far, che far
poss'io hinunter!«
    »Das wirklich Patetische der Oper besteht in der vierten Szene dieses Akts,
wo die Furien den schlafenden Orestes bestreichen.«
    »Ihr Gesang und Chor ist schöne Musik, vortreffliche Melodie, von Hörnern und
Hoboen begleitet. Es scheint, als ob Traetta mit Lessing geglaubt hätte, die
Furien wären von den Griechen schön vorgestellt worden; seine Musik gleicht
