 in seinem Herzen, und Schwung der Phantasie haben, um
dazu vortreffliche Musik voll Rhythmus und Melodie hervorzubringen.«
    »Unsre Meister hudeln sie oft hin, als das Leichteste; und bilden sich
albern genug ein, es sei schon hinlänglich, wenn nur das Metrum beobachtet
werde. Allerdings gibt es auch Horaze, Sapphoen und Pindare für die Tanzmusik;
aber sie sind so selten, wie jene für die lyrische Poesie.«
    Die Mutter antwortete: »Was Sie da sagen, gefällt mir ungemein; gewiss sollte
der Tonkünstler in Balleten seine Tänzer und Tänzerinnen studieren, wie die
Sänger und Sängerinnen in der Oper. Noverre, den ich in Stuttgard oft gesprochen
habe, war auch ganz der Meinung, dass Tänzer und Tänzerinnen die Musik, und nicht
ihre erlernten Schritte und Sprünge, tanzen sollten.«
    »Ich war gerade zugegen, als Vestris eine Chaconne tanzte, welche Jomelli
für ihn geschrieben hatte. Sie wird noch lange unübertroffen bleiben, so erhaben
ist sie in ihrem Rhythmus, und so reizend in ihrer Melodie; mir gleichsam noch
ein lebendiges Bild von dem unvergleichlichen Tänzer.«
    »Noverre war Genie für seine Kunst, und ist auch der Mann, der sie auf ihren
Gipfel gebracht hat. Er hielt die edle Pantomime für die Seele des Ballets;
nicht die Kapriolen, acht und zehnfache Entrechats, und künstliche Schritte.
Seinen Tänzern und Tänzerinnen empfahl er nichts so sehr, als sich ihren eignen
Empfindungen zu überlassen, damit sie den wahren Ausdruck träfen; auch verbot er
ihnen streng alles Nachäffen. Kein Balletmeister hat je von dem Charakter, den
Talenten, den Schönheiten seiner Personen so viel Vorteil zu ziehen, und sie so
ins rechte Licht zu stellen gewusst.«
    »Er war zugleich vortrefflicher Dichter und Mahler. In seinen guten Balleten
herrscht Einheit der Handlung, schön durch das Ganze verteilt, an die sich das
Interesse hängt. Dadurch entstand, wie von selbst, eine Reihe von Gemählden in
lebendiger Folge, in reizenden Gruppirungen. Er hatte deshalb die Meisterstücke
der bildenden Künste wohl studiert, trieb die Magie der nächtlichen Beleuchtung
sehr weit, und schuf sich, zur Vollkommenheit der Täuschung, ein Ideal von
Teaterperspektiv.«
    »Überall war er zugegen; bei dem Zeichner der Kleidungen: keine Tänzerin
durfte sich nach ihrer bloßen Laune kleiden; bei dem Teatermahler: die
Hintergründe mussten zu seinen Drapperien passen, die Figuren darauf in gehöriger
Proporzion hervorgehn; bei dem Maschinisten: um die Szenen leicht und schnell zu
verändern; (er rühmte sehr die erstaunliche Einfachheit und Fertigkeit der
Engländer in der Maschinerie); besonders bei dem Tonkünstler: er selbst schrieb
Dellern zuweilen Melodien und Instrumente vor. Der Tonkünstler war sein
Hauptmann; mit diesem arbeitete er ganz gemeinschaftlich.«
    »Es
