 Leben.«
    Sie sah ihn mit einem hellen zurückstossenden Blick an, und gab ihm dann kalt
zur Antwort: »Man kann nicht mit mehr Verstand sprechen, als Sie, Prinz. Wohl
dem Lande, dessen Fürst Sie werden, wenn Sie zuvor noch Herr über Ihre
vielleicht nur zuweilen vorüberfliegenden Leidenschaften geworden sind! Was die
kluge glückliche Despotin des Herrn von Wolfseck betrifft: so überlass' ich die
Rolle einer Andern, da es mir, nach meiner Art zu empfinden und zu denken, nicht
möglich ist, weder so klug noch so glücklich zu werden.«
    »Dass auch an dem geschliffensten Verstande,« erwiderte er, »sich
Rostflecken der Erziehung ansetzen, bei denen die beste Lebensphilosophie Not
hat, sie wieder wegzubringen!«
    »Wir wollen nicht mit Worten spielen,« erwiderte sie darauf, und fuhr fort:
»Prinz, Sie haben eine tugendhafte Gemahlin, der Sie Treue schuldig sind.
Überlassen Sie mich meinem Schicksal. Besondrer Geist, Zeit und Umstände haben
uns in gewissen Jahren schon so fest gebildet, dass auch die beste
Lebensphilosophie nichts daran zu ändern vermag. Was Ihnen Rostflecken zu nennen
beliebt, nannten die würdigsten Männer durch alle Zeitalter: edle Menschheit;
wenigstens bei unserm Geschlecht.«
    »Männer! unwürdige Ehemänner!« fing er an zu antworten, als sie schon
aufgestanden war, zu ihrer Mutter zu gehen, indes Minister und Fürst herbei
eilten und um Vergebung baten.
    Das Spiel dauerte bis zur Tafel. Hildegard behielt immer gleiche Gegenwart
des Geistes, verlor zuweilen mit Fleiß, und konnte doch nicht umhin, eine starke
Summe zu gewinnen, wenn sie nicht das Spiel zur Posse machen wollte. Dann sprach
sie mit ihren Freiern vorüberschlüpfend, und sagte jedem etwas Scherzhaftes. Bei
der Tafel war sie ernstaft und fröhlich, wie es das Gespräch mit sich brachte.
Inzwischen schien bis jetzt Wallersheim einigermaßen begünstigt.
    Den Sonntag, Morgens, führte Lockmann das Dixit von Majo auf, welches
verdienten Beifall erhielt. Damms herrliche Bassstimme, und das Solo für die
tiefen Töne, in meisterhafter Melodie, ward besonders bewundert.
    Im Konzert ergötzten die Finalen von Cimarosa höchlich, und Madam Ewald
glänzte in der schönen Arie der Wittwe Alfonsina. Aber Alle verlangten noch
Hildegards Zauberkehle zu hören; wozu sie sich jedoch nicht erbitten ließ.
    Der Prinz bemühete sich, mit Hildegarden allein, wenigstens nur in ein
Gespräch, zu kommen; es glückte ihm aber nicht, weil sie alle Gelegenheiten dazu
klug und fein vermied.
    Solchen Widerstand hatte er, bei seiner wirklich schönen Gestalt und seinem
verführerischen Wesen, noch nicht gefunden. Sein Vorsatz war, auf kurze Zeit
nach Spaa zu reisen, mit einem unwichtigen Auftrag für Brüssel. Aus Hoffnung,
vielleicht noch seine Absicht zu
