 warum - ganz weggelassen hat. Jener ist gewiss weit gefälliger, und
übertrift diesen ferner im Misero pargoletto, und allem Übrigen. Aber Jomelli
behauptet mit dieser einzigen Szene den Rang in dieser Oper über ihn; dazu
gehört ein Geist von mehr Erhabenheit.«
    Hildegard stimmte ungern in diesen Ausspruch; so lieb war ihr Majo schon
geworden.
    Den folgenden Morgen wählten sie mit ihrem Bruder unter mehreren komischen
Opern Il Konvito31 von Cimarosa, als die neueste und angenehmste.
    »Es zwingt auch dem Ernstaften ein Lächeln ab,« sagte Lockmann dabei, »wie
sich das Element der Musik zu allem bequemt. Es sind Saturnalien, wo sich die
Göttliche herunter lässt bis zum gemeinen Volke.«
    »Cimarosa hat ganz den leichten lachenden Genius, der sich dem Grotesken
anschmiegt. Es ist eine wahre Erhohlung: viel denken darf man dabei nicht; man
überlässt sich nur, wie in der heißen Zeit einem kühlen Lüftchen, das einen
fächelt: ein Zeitvertreib für Müde und Erschöpfte, die nichts aus sich
hervorbringen wollen oder können.«
    »Die Finalen in der heutigen Opera buffa sind das beste, wo alle die
verschiedenen Charakter zusammenkommen, und in Melodie, Harmonie, Ton, Takt und
Begleitung durch mancherlei ein buntes Ganze machen.«
    »Das Finale im ersten Akt ist auch das beste darin. Die Arien sind gar zu
leicht und leer, wie sie auch sein sollen; Laune und Grazie kommt hier und da
zum Vorschein.«
    »Sono in mar, non vedo sponde, mi confonde il mio periglio; Parodie, die
sich recht für Saturnalien schickt, aber für den eigentlichen gefühlvollen
Menschen immer widrig bleibt. Es ist mit viel Geschmack und Geschicklichkeit
ausgeführt; und man erkennt deutlich die größere, nach Piccini ausgebildete
Fertigkeit.«
    »Leichtigkeit, und geläufige Volkssprache, die bei Übersetzungen in der
Musik ziemlich matt wird, bleibt die Haupteigenschaft eines komischen
Tonkünstlers. Cimarosa hat sie in hohem Grade.«
    »Im zweiten Akt ist die komisch-ernsthafte Szene, wo die Wittwe Alfonsina
sich närrisch stellt, und tut, als ob sie in Elisium wäre, um wieder zu ihrem
verstorbenen Mann zu kommen, vortrefflich; das Rezitativ schön; noch schöner die
Arie: Kara voce del mio bene, già ti sento e ti reviso32, mit der Hoboe und
Violine Solo, die mit der Stimme konzertiren. Gewiss eine der schönsten des
komischen Theaters, voll Grazie und Laune; der Stoff recht schicklich zu
Persiflage und reizender Musik. Cimarosa hat sie auch mit meisterhafter
Fertigkeit ausgeführt.«
    »Das zweite Finale ist vortrefflicher als das erste; ein Meisterstück in
seiner Art, voll Abwechslung und zugleich Einheit in der Begleitung, und voll
Buffonerien: Umidetta e tenebrosa sorge già la notte oscura33
