 wegen des Ausdrucks voll jugendlichen Feuers
in den schönsten Melodien: Sono in mar, non veggo sponde; und per lei fra
l'armi, dove guerriero; besonders aber den Monolog des Timante im dritten Akt:
Misero me.«
    Sie sang sogleich die vorletzte Szene im ersten Akt der Dircea: Padre
perdona, oh pene! und fand sie ganz nach den Worten leidenschaftlich und
reizend; ward aber entzückt von dem Klassischen des Timante: La dolce compagna
vedersi rapire26; so wohl von der Melodie in der höchsten, edlen Süßigkeit, als
von der zärtlichen Begleitung.
    Lockmann erzählte dabei, dass Sarti 1783 zu Rom diese Arie mit wenig
Veränderung ganz in seine Komposition aufgenommen, dafür als Autor die größten
Lobsprüche eingeerntet, den Raub - so bloß für den Moment wären die Italiener,
und so sehr vergässen sie das Alte - niemand bemerkt habe, und überall in Italien
La dolce compagna, als das neuste Meisterstück von Sarti, den ganzen Frühling
und Sommer nach dem Karneval gesungen worden sei.
    Hildegard verwunderte sich darüber; er machte es ihr aber ganz begreiflich,
und fügte hinzu: Majo hätte seinen Demofoonte, nur etwas über zwanzig Jahre
früher, in demselben Theater zu Rom aufgeführt. Des Jahrs gäbe man in Italien
ungefähr dreißig bis vierzig neue Opern, freilich kaum Ein Meisterstück
darunter; und diese würden wie die andern vergessen.
    Er sang dann das rührende Misero pargoletto, il tuo destin non sai27 des
Timante, wo die zärtlichste Vaterliebe auf die einfachste Art voll Empfindung
ausgedrückt ist. »Schöne Seelenklänge!« rief Hildegard dabei aus.
    Und dann sang sie die Arie der Dircea: Ah, tu volgi altròve i rai28, mit der
originellen Begleitung, wo die Violine immer ihre besondere untergeordnete
Melodie in den angenehmsten Läufen hat.
    »Jomelli,« fuhr Lockmann fort, »hat kurz vor seinem Tode zu Neapel dieselbe
Oper in Musik gesetzt. Es ist ein netter, aber meistens zu gelehrter und
künstlicher Styl, und wenig Natur darin. Doch hat er die Hauptscene, wie
gewöhnlich, am meisterhaftesten bearbeitet.« (Sie war der Oper von Majo
beigelegt.)
    »Dircea son io, vado a morire, non ho delitto29, u.s.f. mit erhabner
Begleitung. Ihre ganze Anrede ist klassisch; neu, schön und tragisch; auch die
Tonart treflich gewählt: F moll und As dur. Die Arie darauf: Se tutti i mali
miei io ti potessi dir, dividerti farei per tenerezza il cor30, gehört unter das
Höchste der Musik, und ist allein eine Oper wert: so voll weiblicher Grazie und
tragisch zugleich, in Melodie und Begleitung.«
    
    »Majo hat sein Hauptwerk in La dolce compagna gelegt, welches Jomelli - ich
weiß nicht
