 erscheinen.«
    »Wo besondere Melodie ist, sollte freilich auch Darstellung eigener Person,
wenigstens eignen Gefühls, sein. Ein Doppelgefühl kann gar wohl in einer Person
zugleich sich regen, bei Zweifel beides herrschend, und in Entscheidung der
Leidenschaft eins dem andern untergeordnet; zum Beispiel der Trieb, der Zug der
Natur, und das Gefühl des Schicklichen, der bürgerlichen Konvenienz. Ein
Instrument könnte also das eine oder das andre hören lassen, da die singende
Person mit Einer Melodie beides nicht zugleich kann. Jomelli schildert, wie
Homer in seinen Gleichnissen, durch Instrumente das Leben der Natur um sie her,
den Galopp des Pferdes, das empörte Meer, Ströme und Sturmwinde.«
    »Überhaupt aber hat man noch nicht einmal die Frage aufgeworfen, was unsre
ungeheueren Orchester bei einer dramatischen Begebenheit eigentlich vorstellen
und bedeuten. Etwa die harmonischen Wände der Szene? oder die Nebengefühle der
singenden Personen? oder die Gefühle der mitandelnden? oder die Gefühle des
zuhörenden Publikums? oder alles zusammen?«
    »Das wahrscheinlichste wäre fast: den Chor der Griechen. Auch scheinen
Tonkünstler aus Instinkt darauf zuweilen hingearbeitet zu haben. Eine Akademie
sollte einmal den Unglücklichen, die bis jetzt in den Tag hinein schreiben, und
gegen die Alten so stolz darauf sind, mit einer recht hohen Preisfrage Licht
darüber zu verschaffen suchen.«
    »Inzwischen will ich Ihnen die beste Antwort darauf ins Ohr sagen: das
Orchester stellt, nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge, vor - das Orchester!«
    Lockmann setzte die Tage darauf die schönsten Sachen seiner Oper, besonders
entzückend die Szene, wo Achill als Pyrrha an der Tafel auf der Guitarre spielt,
und dazu singt: Se un core annodi; kein Millico hätte die Kleinigkeit reizender
machen können. Und eben so den Spott des Ulysses: Achille in gonna avolto, unter
hinreissender Beredtsamkeit. In der Hauptscene, wo Achill mit den Waffen in der
Hand wieder Achill wird: Ove son? che ascoltai? konnte Lockmann sich mit den
größten Meistern messen, so neu und kühn und voll Feuer waren Melodie und
Begleitung, und zugleich so wahr und schön; alles aber für ein großes Theater
und ein zahlreiches Orchester geschrieben. Er hatte in seinem Kopfe weite
Aussichten.
    Diese Woche sah er Hildegarden nur einmal, als er ihr die Probe zu den
Szenen des Montezuma meldete, in Gesellschaft des Herrn von Wallersheim, bei
ihrem Bruder, kurz vor einer großen Teegesellschaft bei der Mutter; und dann
mit ihrem Bruder in der Probe selbst, wo seine Leute sich über die neue Art von
Musik des Majo höchlich freuten, den sie bis jetzt nur aus dem Salve Regina.
kannten.
    Als man den Abend darauf schon die Geigen für das Konzert stimmte, und nun
alles versammelt war
