 sie
sich auszeichnen, Deutschland und dem Norden zu verdanken.«
    »Eine Melodie besteht entweder für sich allein, das ist, sie hat so viel
Klang und Harmonie in sich, dass sie keiner andern bedarf, ja dass jede andere
unschicklich ist; oder sie lässt sich in Gesellschaft, von einer Stimme oder
mehreren, hören.«
    »So sollten Melodien zu Volksliedern sein, die nur für Eine Person gedichtet
sind. Auch finden sich alte dieser Art bei uns, bei den Schottländern, bei den
Franzosen, Spaniern, und allen Nazionen; Romanzen, wo nur Eine Person erzählt,
Liebeslieder, Hirtenlieder, Jägerlieder. Und so finden sich noch einfache
Melodien für Nazionaltänze voll Rhythmus. Sie sind Schätze, Modelle zur
Charakteristik für den Tonkünstler.«
    »Weit künstlicher sind Nachahmungen solcher Melodien für besondere
Instrumente allein, ohne alle Begleitung, wo das Ohr keinen Mangel von Harmonie
merkt, und keine andre ohne Unschicklichkeit, sich dazu hören lassen darf.«
    »Sangen mehrere Personen Volkslieder in solchen harmonischen Melodien: so
könnt' es nur im Einklang und in Oktaven geschehen, wie die Kontrapunktisten von
den Griechen behaupten.«
    »Alsdann erfand man Instrumente, die Melodien der Stimme zu erleichtern, und
die Zwischenzeit der Verse und Strophen auszufüllen. Dies ist der Ursprung der
Begleitung. Die ältesten mögen nur die wenigen vollkommensten Konsonanzen gehabt
haben: die Oktave, Quinte, Quarte und s.f.; und nach und nach mag man bis zu den
Accorden der heutigen Guitarre gekommen sein. Noch entzückt diese erste
jugendliche Natur der Musik selbst Neapolitaner, Römer, und Venezianer, und alte
ausgelernte Kontrapunktisten. Diese Art Harmonie diente den Melodien Anakreons
so leicht, so schön und reizend, wie sein Batyll.«
    »Nach der für sich bestehenden harmonischen Melodie kommt das Duett,
Wechselgesang zwischen zwei Stimmen. Wenn man nicht einen Despoten mit einem
Sklaven darstellen will: so muss die Melodie zwischen beide Stimmen verteilt
sein, und eine Harmonie ausmachen.«
    »Dann eben so das Terzett, und der vierstimmige Satz; wo die tiefen Stimmen
nach der Theorie des Klangs sich doch mehr zur bloßen Grundharmonie neigen. Bei
fünf-, sechs-, und mehrstimmigen Sachen werden die wohllautendsten Töne -
Oktaven, Quinten, Quarten, Terzen, Sexten - verdoppelt und verdreifacht.«
    »Das Duett und Terzett, auch die mehrstimmigen melodischen Sachen in Chören
und Finalen, sollen in Opern ihren Charakter behalten, obgleich bei aller Pracht
der Instrumente.«
    »Bis zu den späteren Zeiten des Jomelli bediente die Harmonie der Instrumente
die Sänger und Sängerinnen ziemlich sklavisch; die Geige wagte es selten, die
Melodie der Stimme mit einer eignen andern untergeordneten zu begleiten; Majo
ließ sie noch mehr als Grazie neben der Venus
