, als der Neapolitaner; in demselben Klima fühlt darin der freie
Mensch anders, als der Sklav.«
    »Sklaverei und Kriecherei, Bescheidenheit, Freiheit, Frechheit haben alle
ihren verschiedenen Gang, und ihre eigne Melodie. Die Vierteltöne und halben
Töne, ganze Gänge darin, scheinen sich mit, Bescheidenheit, Freiheit und Adel
nicht zu vertragen. Die sklavischen Chinesen haben sie noch; die freien Griechen
erhielten sie mit ihrer Musik von den weichlichen Kleinasiaten, Untertanen der
Perser. Was einmal zur Gewohnheit geworden ist, lässt sich so leicht nicht
vertilgen; nur nach und nach kann die stärkste Vernunft unnatürliche Gebräuche
abschaffen.«
    »Die Musik aus dem Anfang unsers Jahrhunderts hat noch kleinliche Melodie.
Bei Porpora, Durante, Leo, Pergolesi ist sie sehr merklich; bei Händel herrscht
sie in vielen Arien. Gerade wie in der Malerei der Styl des Peter von Perugia,
Johann Bellino, Mantegna, bevor die hohen Geister Michel Angelo, Raphael, Tizian
und Korreggio erschienen.«
    »Freilich gibt es Leidenschaften, wo sie so gar im edelen Styl schöne Natur
ausdrückt; als in Kirchenmusiken Niederwerfung vor Gott, in der Oper die süßen
Zärtlichkeiten, Schmeicheleien der Liebe, Besorgnisse der Eifersucht: so
allgemein ist der Ausdruck der Töne. Doch dauert dies nur Augenblicke, und
herrscht nicht durch das Ganze. Wo es die Natur erfordert, brauchen noch jetzt
große Sänger sogar Vierteltöne, wie Virtuosen auf Instrumenten, ob wir sie
gleich aus unserm musikalischen System in Folge verbannt haben.«
    »Die Neapolitanische Musik liebt von den mittleren Zeiten Jomelli's an einen
edlen freien Gang, und bei heftigen Leidenschaften einen kühnen Flug. Armida
wagt in ihrer Wut Sprünge, wie eine gejagte Gemse.«
    »Man kann dies wohl das klassische Zeitalter der Musik nennen; die Schönheit
der Melodie drückt das höchste Ideal edlen freien, Lebens aus. Majo's göttliches
Genie strahlt recht darin hervor, und rückte die Kunst jugendlich gewaltig der
Vollkommenheit näher.«
    »Gluck fällt schon wieder etwas zurück, und nicht selten, den Französischen
Ohren zu gefallen, in das Kleinliche; doch herrscht in seinen besten Werken der
klassische Styl.«
    »Der kleinliche Fortschritt der Melodie bei Unglück ist gegen allen Adel,
selbst bei Weibern; und drückt nur niedrige Natur aus.«
    »In den Melodien unsrer Musik unterscheidet man jedoch gewiss noch nicht
genug das Weib vom Manne. Was beim Manne kleinlich ist, kann beim Weibe
Sittsamkeit, Bescheidenheit, edle Natur sein. In Opern könnte man den Gang
beider durch den Kontrast gut unterscheiden.«
    »Auch die Musik, wie alle Künste, stellt sinnliche Denkmäler auf von dem
Charakter ihres Zeitalters.«
    »Jomelli, Sarti, und Andre haben wahrscheinlich ihr Heroisches, wodurch
