 ersten Akt. Sie ist
allein während des Gefechts: Eccomi sola alfine, eccomi abbandonata al mio
dolore. Schon im Rezitativ sind herrliche pittoreske Sachen, als bei Odo il
nitrir de' fervidi destrieri - - -22. Die drei einzeln angeschlagnen halben
Taktnoten in Oktaven von drei Takten tun schauerliche Wirkung; bei der
plötzlichen Stille glaubt man alles zu hören.«
    »Die Arie darauf ist ganz göttlich: Ombre dolenti e pallide, che v'aggirate
intorno. Es ist hier manches Neue, womit hernach die Kunst der Musik, selbst bei
Glucken, sich bereichert hat, und welches bei den ersten Nachahmern noch für neu
durchging; als die ganz bezaubernde Begleitung auf Ombre dolenti, ombre pallide,
deh, per pietà, deh, lasciatemi, so gezogen fortlaufend der zweiten Violine zu
der entzückenden Melodie, und der nachgeschlagnen Harmonie der ersten Violine.
Hier ist die erste frische Quelle: und wie gleich so vollkommen!«
    »Das No, più trovar non sa, aus dem Es moll die kleine Terz in die große
hinübergezogen, ist hernach, nur grell, nachgeahmt worden; hier glänzt die
Empfindung in ihrer ersten natürlichen Unschuld, Wahrheit und Schönheit.«
    »Es fehlt dieser Oper zwar der Pomp der so oft erzwungnen Französischen
Chöre; aber wie jugendlich schön und blühend ist alles!«
    Hildegard rief gleich ihren Bruder dazu. Beide weideten sich recht, und
konnten nicht aufhören, das Göttliche zu wiederhohlen. Sie sprachen alsdann mit
einander von Melodie überhaupt, von Harmonie und Begleitung.
    Lockmann sagte unter andern: »Melodie ist eine Folge von einzelnen Tönen,
die in abwechselnden Sätzen und Perioden, damit die Kehle wieder Luft schöpfen
kann, eine Empfindung oder Leidenschaft darstellt. Die Darstellung macht ein
Ganzes aus, wie die Empfindung oder das Gefühl, welches natürlich in verschiedene
Teile zerfällt. Je mehr diese zu einander, und für den Ausdruck passen, desto
größer die Schönheit. Bei Liedern sind sie klein, bei hohen Empfindungen in
Operscenen groß; wo ein starker Atem dazu gehört.«
    »Der Vorzug der guten Italiänischen Musik besteht in dem edlen leichten Gang
der Melodie, dem Ebenmaass ihrer Perioden, der Klarheit, Reinheit passender
mannigfaltiger Harmonie, und überhaupt der schönen Proporzion des Ganzen. Kurz,
die Musik wird so viel als möglich selbst Natur.«
    »Bei jeder Melodie ist Darstellung von Person, oder eines besonderen Wesens,
dessen Leben in Bewegung mit der Zeit fortrückt.«
    »Wenn bei Arien das Orchester die Melodie vorspielt: so drückt es die
Vorgefühle des Sängers zum Gesang aus; doch immer pedantisch! Die Vorgefühle
sollen noch nicht die Melodie selbst sein sondern ihr Werden.«
    »Die Melodie zeigt vorzüglich den Charakter. Der Chinese schreitet darin
anders fort
