, als die Menschenstimme; sie ist
das Meer und die Luft, worin diese schwimmt und ihre Fittiche schlägt.«
    »Für sich allein, fuhr Hildegard ferner fort, ist sie ein ergötzendes Spiel
für die Phantasie, und schmeichelt dem Ohre durch Neuheit von Melodie und
Harmonie und Fertigkeit des Vortrags, und rührt, erschüttert wohl noch das Herz
mit unbestimmten Gefühlen und Ahndungen von Leidenschaften. Wenn Sie eben
Symphonien und Quartetten von Haydn oder unsern andern großen Deutschen Meistern
gehört hätten, so würden Sie gewiss nicht, auch nur zum Scherz, so gering von ihr
gesprochen haben.«
    »Mich bezaubert,« erwiderte Reinhold, »die höchste aller Tugenden, die
Gerechtigkeit, von einer so jungen Dame, mit so göttlicher Stimme, die mich
besonders zur Ungerechtigkeit verleitete. O Haydn, Phönix der Instrumentalmusik,
Stolz von Deutschland!«
    »Das haben Sie gut gemacht,« rief Hohental; »es lebe Haydn! Haydn, mein
Mann!«
    »Die Melodie muss in der Musik die Harmonie verbergen, wie Blätter, Blüten
und Früchte die Äste und das Holz der Zweige an den Bäumen. Musik, wo das nicht
ist, gleicht dem Winter; da ist kein Leben.«
    »Bei der Instrumentalmusik muss Phantasie herrschen, glänzende, und kühn
abwechselnde. Das Sentimentale wird gar bald schal; denn es sagt doch nichts
bestimmt, stellt platterdings nichts dar, und hat keine Localfarbe.«
    »Nirgendwo kann man Genie und bloß nach Regeln Gemachtes besser
unterscheiden, als bei der Musik. Man höre Haydn, und hundert Andre!«
    »Dafür wollen wir Ihnen auch zugeben, - nicht wahr, treflicher Meister
Lockmann? - dass die Musik eine verstärkte Aussprache sei, und ihre Regeln aus
dem anhaltenden gemessnen Ton fließen.«
    »Die erste Musik war vielleicht die Rede eines Anführers, eines Tyrtaios, an
eine Menge, der, um verständlich zu sein, in Terzen, Quarten und Quinten sprach;
oder der Ausbruch der Gefühle eines Glücklichen, oder Unglücklichen in der
Einsamkeit, in starken Tönen, um sich Luft zu machen.«
    »Bei den großen Teatern der Alten in freier Luft,« bemerkte Feierabend,
»war die Musik, oder verstärkte Aussprache in gemessnen Tönen, notwendig, um
verstanden zu werden; und der Vers eine Folge davon. Bei uns ist sie mehr
Vergnügen an schönen Tönen und deren Verhältnissen zu einander.«
    »Der Text gibt dem Herzen und der Einbildungskraft das Bestimmte. Ein
großer Gedanke, eine tiefe schöne Empfindung müssen aber schon in Worten gut
gesagt sein, wenn sie die gehörige Wirkung tun sollen. Schöne Töne machen sie
nur noch eindringender, und bewegen die Seele stärker.«
    Lockmann beschloss das Gespräch, indem er sagte:
