 hier zwei große Philosophen, die uns zuhören, und die
beiden Damen können in dieser Materie auf jeder hohen Schule dafür gelten; wir
müssen also gründlich zu Werke gehen.«
    »Was ist Musik überhaupt?«
    »Wenn ich nicht irre, so ist sie die Kunst, durch gemessene Töne das Leben
im Menschen, und alles, was sich in der Natur durch Ton und Bewegung äußert,
darzustellen; ohne Metapher zu reden, dem, Sinn des Ohrs hörbar zu machen.«
    »Da dies der Stimme des Menschen oft zu schwer wird, nicht selten zu
niedrig, ja unmöglich ist: so hat er Instrumente dazu erfunden, welche die
göttliche Stimme einer Hildegard, der Sultanin aller Feen im Luftreich,
gehorsamst und mit Lust bedienen.«
    »Vortreflich, mein teurer junger Freund!« rief Reinhold weiter.
    Lockmann. »Und um die Darstellung, so viel als möglich, zu bestimmen, die
Wörter der Sprachen.«
    »Eine starke Aussprache ist noch keine Musik, wenn die Töne dabei in keiner
gemessenen Leiter stehen; und so kann man dem leisesten zärtlichen Gesang einer
Gabrieli oder Todi diesen Namen nicht absprechen.«
    »Jomelli stellt durch die Geige den Galopp eines schnellen Pferdes dar, weil
dieses für die Stimme zu unedel wäre; mit Hörnern, Klarinetten und andern
Instrumenten einen angeschwollnen Waldstrom, der alles niederreisst, was ihm in
seinem Lauf begegnet; Majo, Jomelli und Gluck durch die gewaltige Geige den
Wetterstrahl, der die Wolken durchzackt und trümmernd herniederfährt; und warum
sollte man die allergrösste Janitscharentrommel nicht brauchen dürfen, wenn man
den Donner der Kanonen darstellen wollte? den schrecklichen Hall der Posaunen
für Sturmwinde, und die mit zartem Finger gerührten Saiten der Harfe für das
gelinde Säuseln holder Frühlingslüfte?«
    »Ohne pedantisch zu werden, kann man bei Melodien für sich von großem Umfang
die Harmonie nicht bestimmt genug für den Ausdruck angeben; von diesem
Bedürfnisse getrieben, hat man zuerst die Begleitung der Instrumente erfunden.
Mit dieser ist ein Ton der Melodie hinlänglich, den ganzen Ausdruck zum Beispiel
des schmelzenden Accords der kleinen Septime auf dem vollkommenen Dreiklang
hervorzubringen, und die Stimme kann überdiess noch wählen, welchen sie will von
vieren, für jeden besonderen Reiz. Sie steht dadurch wie eine Semiramis und
Tomiris, wie Alexander und Cäsar, gleichsam an der Spitze von geübten Heeren;
und es wäre höchst ungerecht, wenn man eine Melodie für sich allein aus einer
Iphigenia in Tauris von Gluck nehmen, das Mädchen barbarisch frech von ihrer
furchtbaren Pallasrüstung in der Partitur entkleiden, und anatomisch zeigen
wollte, dass es ein schwaches Geschöpf wie andre auch sei, und nicht einmal so
stark, wie manche Westphälische Magd.«
    »Die Töne an und für sich genommen, und nach
