 gleichfalls durchaus vortrefflich. Schön sind dabei
die Arien; besonders: Ah, prends pitié de ma faiblesse! beinah in Glucks Styl.«
    »Das Leidenschaftlichste im Ganzen ist die Stelle der Dido: Va pour ta
course vagabonde; der Affekt steigt fast wie bei Jomelli. Vortreflich alles
declamirt, wahre Suada auch in der Musik. Der Fluch: Puissent renaitre de ma
cendre des vengeurs altérés du sang de tes neveux, vom Des in D, und durch die
Sextquint in Es; darauf in E, und so in F moll, und dann in C moll, ist wirklich
erhaben.«
    »Der Ruck in Oktaven mit der ganzen veränderten Harmonie in der Melodie
durch halbe Töne ist von erstaunlicher Wirkung; und so die der umgekehrten
kleinen Septime bei Qu'ils portent le fer et les feux au rivage ou tu vas
descendre! gewaltiger Rhythmus; c'est là le dernier de mes voeux.«
    »Ich halte diese Stelle für eine der schönsten der gesammten Musik; und
kenne von Piccini nichts, das ihr gleich käme.«
    »Marmontel hat weit mehr und bessere Gründe zur Abreise, als Metastasio. Den
besten, besonders für die Musik, hat er jedoch nur angedeutet, und nicht
dargestellt; nämlich dass die Trojaner fortwollen nach Italien. Die Erscheinung
des Vaters soll den Knoten zerhauen.«
    »Gewiss gehört diese Oper unter die besten Französischen. Als Werk des Genies
betrachtet, steht die von Jomelli doch über ihr; und mag Piccini'n eben bei der
erhabenen Stelle zum Muster gedient haben.«
    »Piccini gleicht in der Musik nicht selten seinem Landsmann Luca Giordano,
Luca fa presto, in der Malerei; bei dieser Stelle hat er sich selbst
übertroffen.«
    »Auch Traetta hat eine Dido geschrieben; aber sie enthält wenig
Vortrefliches, außer dem Schluße, welcher recht groß und pathetisch und recht
im klassischen tragischen Styl ist. Jammer und Schade, dass dieser Meister immer
ums Brot arbeiten, und so viel mittelmässiges Zeug mit unterlaufen lassen musste!«
    Hildegard machte sich gleich an die schönen Szenen der Französischen Oper.
Sie hatte zu London bei ausgelernten Pariser Damen voll Geschmack schon die
eigne Art von Vortrag wohl gefasst, und vermied nur mit edlerem und gebildeterm
Gefühl deren übertriebnes Patos, das bis zum Geschrei geht, und das Weinerliche
des Accents.
    Lockmann lernte von ihr; sie schickten sich bald auch hier gut zusammen, und
gelangten zum Vortreflichen bei der Natur und Wahrheit des Inhalts.
    Alsdann wurden Mutter, Bruder und Feierabend gerufen, der neue Schatz wieder
mitgeteilt; mit Lust studiert und gehört; und beschlossen, das Beste im nächsten
Konzert aufzuführen.
    Lockmann nahm die Oper mit nach Hause, um die Szenen geschwind ausschreiben
zu lassen.
    Den
