 dem
schönen Vortrag zu schaden. Wo die Stimme schon selbst die Harmonie angibt,
bedarf es nicht einmal des Klaviers. Der Begleiter soll die Stimme nur führen,
wie ein junger Mann eine beherzte Dame, ihr den Pfad ausspähen bei misslichen
Übergängen, und sie nicht behandeln wie Krüppel und Lendenlahme.«
    »Die Orgel schickt sich mit ihrem anhaltenden Gepfeife gar nicht zur
Begleitung, und überschreit alle Grazie der Stimme; es ist als ob der Riese
Goliat mit einem Kinde spielen wollte.«
    »Nichts ist ferner unerträglicher, als wenn die Violoncelle sich dabei
hervortun wollen, und den Zuhörern das Gehör zerhacken.«
    »Lauten, Guitarren, Harfen und Flügel oder Fortepianos sind die,
natürlichsten Instrumente zur Begleitung.«
    Alsdann fuhr Lockmann ernstaft fort: »Ich habe Ihnen hier eine der
berühmtesten Opern von Metastasio, die Olimpiade, mitgebracht, woran, wenigstens
bei einzelnen Szenen, die größten Meister ihre Kunst versucht haben. Diese Musik
ist von Jomelli; er führte sie zu Stuttgard im Jahre 1761 auf5.«
    »Das Gedicht ist zu künstlich angelegt, als dass es im Ganzen täuschen
könnte; man muss gar zu viel dabei merken, so verflochten ist es. Überdiess sind
die Personen Italiener in Griechischer Tracht. Im dritten Akt besonders, wo in
der ersten Szene Megakles und Aristea auf beiden Seiten des Theaters sterben
wollen, einander nicht sehen, und vom Amint und der Argene aufgehalten werden,
hernach ausreißen und einander in die Arme laufen, und Aristea, die den Megakles
schon tot glaubte, ihm sagt:
Ingrato! e tanto
m' odi dunque, e mi fuggi,
che, per esserti unita
s'io m' affretto a morir, tu torni in vita6?
wird es ein wahres Puppenspiel.«
    »Doch sind einige ergreifende Situazionen darin, höchst schöne Arien, und
das vortreflichste Duett der ganzen Italiänischen lyrischen Poesie.«
    »Jomelli erscheint hier in der Fülle seiner Kraft. Wir wollen nur, das
Vortreflichste durchgehen.«
                                  Erster Akt.
Szene 3.
Quel destrier, ch' all' albergo è vicino
Più veloce s'affretta nel corso.7
»Diese Arie gehört unter die vortreflichsten der pittoresken Musik; der Galopp
des Pferdes herrscht durchaus in der Begleitung der zweiten Violine; und es ist
in der Melodie und der gesammten Harmonie eine Pracht und ein Jubel, die
bezaubern.«
    »Lolli konnte sich dabei hervortun. Man muss sie als eine reizende
Verzierung betrachten.«
    »In dem Schäferchor
O care selve! o cara
Felice liberta!
der den einfachen gehörigen Charakter der Fröhlichkeit hat, ist merkwürdig, dass
auch Jomelli den Ausdruck zu verstärken glaubte, wenn er einige kurze Sylben
lang declamirte, wie die älteren Komponisten, besonders Pergolesi, bei
