 zeigt sich hier als ein wahres
großes Originalgenie, das in der Musik als Erfinder da steht, und Andre geleitet
hat. Diese Oper gehört aber auch unter seine besten Werke.«
            »Im ersten Akt
ist die vierte Szene der Sophonisbe ein Meisterstück reizender weiblichen
Schönheit voll Italiänischen Accents: Intesi; ti basti, s' io cesso d'odiarti1.
Hier ist so gar nichts von Schlendrian, alles neu, die süßeste Melodie, nichts
überflüssig.«
    Hildegard trug die Szene sogleich mit dem spröden Ton einer hohen Königin
vor.
    »Die zweite Meisterscene in diesem Akt ist die zehnte letzte des Siface;
hauptsächlich der Arie wegen. Die Geschichte der Musik muss entscheiden, ob sie
das Original ist, oder Glucks Se mai senti spirarti sul volto, die der letztre
hernach mit eigenem Wohlgefallen in der Iphigenia von Tauris wiederhohlt hat.
Überhaupt braucht er die Art mehrmals, als bei Ombre, larve in der Alceste:
Terrore m'inspira, d'orrore m'ingombra
Un' ombra gelosa.«
»Deswegen bleibt jeder doch ein großer Meister, und beides göttliche Gesänge;
keiner kann in einer Kunst alles erfinden. Inzwischen muss man jedem sein Recht
angedeihen lassen.«
            »Im zweiten Akt
ist die Arie der sechsten Szene von der Sophonisbe ganz in der Art, welche Majo
so oft braucht. Ich sage nicht, dass Majo kopirt hat; aber man sieht dabei so
recht, wie das Ganze der Kunst fortrückt.«
    »Noch ist die zehnte Szene, die letzte in diesem Akt, schön und dramatisch;
das Rezitativ der Sophonisbe reiner tragischer Styl, und das Terzett
leidenschaftlich.«
            »Der dritte Akt
enthält das Vortreflichste vom Ganzen. Die vierte Szene ist ein rechter Strom
und fruchtbarer Frühling von Musik, eine wahre Seelen- und Ohrenweide. Das Horn
und die Hoboe Solo, die schon im herrlichen Rezitativ eintreten, machen in der
Arie entzückende Wirkung.«
    »Dell' umana miseria, Sofonisba infelice, eccoti al colmo; die Arie
Sventurata in van mi lagno2; vortreffliche leidenschaftliche Melodie, und eine
der schönsten Bravourarien; vortreffliche Begleitung mit ausgewählter Harmonie;
und die Stelle der zweiten Violine, mit der kleinen Sekunde so anhaltend,
rührend.«
    »Das Spiel mit dem Echo ist freilich gegen das Patos, und der Dichter hat
es zu verantworten; aber in der Musik ist es, mit süßer Kehle und Virtuosen auf
der Hoboe und dem Horn, die lieblichste Fülle für das Ohr.«
    »Ein neuer Meister hat diese Arie oft nachgeahmt, und damit, jedoch nicht
unverdienter Weise, viel Lob eingeärntet.«
    »Man muss diese Sachen als schöne musikalische Verzierungen betrachten, wenn
sie nur im Ton des Ganzen sind; wie Zierraten an Gebäuden,
