 von dem Feuer des edelsten Nationalgeistes entzündet. Wie sehr
gefiel es dieser deutschen Gesellschaft, sich ihrem Charakter gemäß auf eigenem
Grund und Boden poetisch zu ergötzen! Besonders taten die Gewölbe und Keller,
die verfallenen Schlösser, das Moos und die hohlen Bäume, über alles aber die
nächtlichen Zigeunerszenen und das heimliche Gericht eine ganz unglaubliche
Wirkung. Jeder Schauspieler sah nun, wie er bald in Helm und Harnisch, jede
Schauspielerin, wie sie mit einem großen stehenden Kragen ihre Deutschheit vor
dem Publiko produzieren werde. Jeder wollte sich sogleich einen Namen aus dem
Stücke oder aus der deutschen Geschichte zueignen, und Madame Melina beteuerte,
Sohn oder Tochter, wozu sie Hoffnung hatte, nicht anders als Adelbert oder
Mechtilde taufen zu lassen.
    Gegen den fünften Akt ward der Beifall lärmender und lauter, ja zuletzt, als
der Held wirklich seinem Unterdrücker entging und der Tyrann gestraft wurde, war
das Entzücken so groß, dass man schwur, man habe nie so glückliche Stunden
gehabt. Melina, den der Trank begeistert hatte, war der Lauteste, und da der
zweite Punschnapf geleert war und Mitternacht herannahte, schwur Laertes hoch
und teuer, es sei kein Mensch würdig, an diese Gläser jemals wieder eine Lippe
zu setzen, und warf mit dieser Beteurung sein Glas hinter sich und durch die
Scheiben auf die Gasse hinaus. Die übrigen folgten seinem Beispiele, und
ungeachtet der Protestationen des herbeieilenden Wirtes wurde der Punschnapf
selbst, der nach einem solchen Feste durch unheiliges Getränk nicht wieder
entweiht werden sollte, in tausend Stücke geschlagen. Philine, der man ihren
Rausch am wenigsten ansah, indes die beiden Mädchen nicht in den anständigsten
Stellungen auf dem Kanapee lagen, reizte die andern mit Schadenfreude zum Lärm.
Madame Melina rezitierte einige erhabene Gedichte, und ihr Mann, der im Rausche
nicht sehr liebenswürdig war, fing an, auf die schlechte Bereitung des Punsches
zu schelten, versicherte, dass er ein Fest ganz anders einzurichten verstehe, und
ward zuletzt, als Laertes Stillschweigen gebot, immer gröber und lauter, so dass
dieser, ohne sich lange zu bedenken, ihm die Scherben des Napfes an den Kopf
warf und dadurch den Lärm nicht wenig vermehrte.
    Indessen war die Scharwache herbeigekommen und verlangte, ins Haus
eingelassen zu werden. Wilhelm, vom Lesen sehr erhitzt, ob er gleich nur wenig
getrunken, hatte genug zu tun, um mit Beihilfe des Wirts die Leute durch Geld
und gute Worte zu befriedigen und die Glieder der Gesellschaft in ihren
misslichen Umständen nach Hause zu schaffen. Er warf sich, als er zurückkam, vom
Schlafe überwältigt, voller Unmut, unausgekleidet aufs Bett, und nichts glich
der unangenehmen Empfindung, als er des andern Morgens die Augen aufschlug und
mit düsterm Blick auf die Verwüstungen des vergangenen Tages, den
