. Laertes selbst ritt auf
Wilhelms Pferde, das auch mit herausgekommen war, nach der Stadt zurück.
    Philine saß kaum in dem Wagen, als sie artige Lieder zu singen und das
Gespräch auf Geschichten zu lenken wusste, von denen sie behauptete, dass sie mit
Glück dramatisch behandelt werden könnten. Durch diese kluge Wendung hatte sie
gar bald ihren jungen Freund in seine beste Laune gesetzt, und er komponierte
aus dem Reichtum seines lebendigen Bildervorrats sogleich ein ganzes Schauspiel
mit allen seinen Akten, Szenen, Charakteren und Verwicklungen. Man fand für gut,
einige Arien und Gesänge einzuflechten; man dichtete sie, und Philine, die in
alles einging, passte ihnen gleich bekannte Melodien an und sang sie aus dem
Stegreife.
    Sie hatte eben heute ihren schönen, sehr schönen Tag; sie wusste mit allerlei
Neckereien unsern Freund zu beleben; es ward ihm wohl, wie es ihm lange nicht
gewesen war.
    Seitdem ihn jene grausame Entdeckung von der Seite Marianens gerissen hatte,
war er dem Gelübde treu geblieben, sich vor der zusammenschlagenden Falle einer
weiblichen Umarmung zu hüten, das treulose Geschlecht zu meiden, seine
Schmerzen, seine Neigung, seine süßen Wünsche in seinem Busen zu verschließen.
Die Gewissenhaftigkeit, womit er dies Gelübde beobachtete, gab seinem ganzen
Wesen eine geheime Nahrung, und da sein Herz nicht ohne Teilnehmung bleiben
konnte, so ward eine liebevolle Mitteilung nun zum Bedürfnisse. Er ging wieder
wie von dem ersten Jugendnebel begleitet umher, seine Augen fassten jeden
reizenden Gegenstand mit Freuden auf, und nie war sein Urteil über eine
liebenswürdige Gestalt schonender gewesen. Wie gefährlich ihm in einer solchen
Lage das verwegene Mädchen werden musste, lässt sich leider nur zu gut einsehen.
    Zu Hause fanden sie auf Wilhelms Zimmer schon alles zum Empfang bereit, die
Stühle zu einer Vorlesung zurechte gestellt und den Tisch in die Mitte gesetzt,
auf welchem der Punschnapf seinen Platz nehmen sollte.
    Die deutschen Ritterstücke waren damals eben neu und hatten die
Aufmerksamkeit und Neigung des Publikums an sich gezogen. Der alte Polterer
hatte eines dieser Art mitgebracht, und die Vorlesung war beschlossen worden.
Man setzte sich nieder. Wilhelm bemächtigte sich des Exemplars und fing zu lesen
an.
    Die geharnischten Ritter, die alten Burgen, die Treuherzigkeit,
Rechtlichkeit und Redlichkeit, besonders aber die Unabhängigkeit der handelnden
Personen wurden mit großem Beifall aufgenommen. Der Vorleser tat sein
möglichstes, und die Gesellschaft kam außer sich. Zwischen dem zweiten und
dritten Akt kam der Punsch in einem großen Napfe, und da in dem Stücke selbst
sehr viel getrunken und angestossen wurde, so war nichts natürlicher, als dass die
Gesellschaft bei jedem solchen Falle sich lebhaft an den Platz der Helden
versetzte, gleichfalls anklingte und die Günstlinge unter den handelnden
Personen hoch leben ließ.
    Jedermann war
