 ja in
Gesellschaft von Freunden und Bekannten sehr nützlich. Es ist die beste Art, die
Menschen aus sich heraus- und durch einen Umweg wieder in sich hineinzuführen.
Es sollte bei jeder Truppe eingeführt sein, dass sie sich manchmal auf diese
Weise üben müsste, und das Publikum würde gewiss dabei gewinnen, wenn alle Monate
ein nicht geschriebenes Stück aufgeführt würde, worauf sich freilich die
Schauspieler in mehreren Proben müssten vorbereitet haben.«
    »Man dürfte sich«, versetzte Wilhelm, »ein extemporiertes Stück nicht als
ein solches denken, das aus dem Stegreife sogleich komponiert würde, sondern als
ein solches, wovon zwar Plan, Handlung und Szeneneinteilung gegeben wären,
dessen Ausführung aber dem Schauspieler überlassen bliebe.«
    »Ganz richtig«, sagte der Unbekannte, »und eben was diese Ausführung
betrifft, würde ein solches Stück, sobald die Schauspieler nur einmal im Gang
wären, außerordentlich gewinnen. Nicht die Ausführung durch Worte, denn durch
diese muss freilich der überlegende Schriftsteller seine Arbeit zieren, sondern
die Ausführung durch Gebärden und Mienen, Ausrufungen und was dazu gehört, kurz
das stumme, halblaute Spiel, welches nach und nach bei uns ganz verlorenzugehen
scheint. Es sind wohl Schauspieler in Deutschland, deren Körper das zeigt, was
sie denken und fühlen, die durch Schweigen, Zaudern, durch Winke, durch zarte,
anmutige Bewegungen des Körpers eine Rede vorzubereiten, und die Pausen des
Gesprächs durch eine gefällige Pantomime mit dem Ganzen zu verbinden wissen,
aber eine Übung, die einem glücklichen Naturell zu Hilfe käme und es lehrte, mit
dem Schriftsteller zu wetteifern, ist nicht so im Gange, als es zum Troste
derer, die das Theater besuchen, wohl zu wünschen wäre.«
    »Sollte aber nicht«, versetzte Wilhelm, »ein glückliches Naturell als das
Erste und Letzte einen Schauspieler wie jeden andern Künstler, ja vielleicht wie
jeden Menschen, allein zu einem so hochaufgesteckten Ziele bringen?«
    »Das Erste und Letzte, Anfang und Ende möchte es wohl sein und bleiben; aber
in der Mitte dürfte dem Künstler manches fehlen, wenn nicht Bildung das erste
aus ihm macht, was er sein soll, und zwar frühe Bildung; denn vielleicht ist
derjenige, dem man Genie zuschreibt, übler dran als der, der nur gewöhnliche
Fähigkeiten besitzt; denn jener kann leichter verbildet und viel heftiger auf
falsche Wege gestoßen werden als dieser.«
    »Aber«, versetzte Wilhelm, »wird das Genie sich nicht selbst retten, die
Wunden, die es sich geschlagen, selbst heilen?«
    »Mitnichten«, versetzte der andere, »oder wenigstens nur notdürftig; denn
niemand glaube die ersten Eindrücke der Jugend überwinden zu können. Ist er in
einer löblichen Freiheit, umgeben von schönen und
