, an einigen Orten nach Engagement umgesehen, keines
gefunden und war endlich in dieses Städtchen gewiesen worden, wo einige
Personen, die ihnen unterwegs begegneten, ein gutes Theater gesehen haben
wollten.
    Philinen wollte Madame Melina, und Herr Melina dem lebhaften Laertes, als
sie Bekanntschaft machten, keinesweges gefallen. Sie wünschten die neuen
Ankömmlinge gleich wieder los zu sein, und Wilhelm konnte ihnen keine günstigen
Gesinnungen beibringen, ob er ihnen gleich wiederholt versicherte, dass es recht
gute Leute seien.
    Eigentlich war auch das bisherige lustige Leben unsrer drei Abenteurer durch
die Erweiterung der Gesellschaft auf mehr als eine Weise gestört; denn Melina
fing im Wirtshause (er hatte in ebendemselben, in welchem Philine wohnte, Platz
gefunden) gleich zu markten und zu quengeln an. Er wollte für weniges Geld
besseres Quartier, reichlichere Mahlzeit und promptere Bedienung haben. In
kurzer Zeit machten Wirt und Kellner verdrießliche Gesichter, und wenn die
andern, um froh zu leben, sich alles gefallen ließ und nur geschwind
bezahlten, um nicht länger an das zu denken, was schon verzehrt war, so musste
die Mahlzeit, die Melina regelmäßig sogleich berichtigte, jederzeit von vorn
wieder durchgenommen werden, so dass Philine ihn ohne Umstände ein wiederkäuendes
Tier nannte.
    Noch verhasster war Madame Melina dem lustigen Mädchen. Diese junge Frau war
nicht ohne Bildung, doch fehlte es ihr gänzlich an Geist und Seele. Sie
deklamierte nicht übel und wollte immer deklamieren; allein man merkte bald, dass
es nur eine Wortdeklamation war, die auf einzelnen Stellen lastete und die
Empfindung des Ganzen nicht ausdruckte. Bei diesem allen war sie nicht leicht
jemanden, besonders Männern, unangenehm. Vielmehr schrieben ihr diejenigen, die
mit ihr umgingen, gewöhnlich einen schönen Verstand zu: denn sie war, was ich
mit einem Worte eine Anempfinderin nennen möchte; sie wusste einem Freunde, um
dessen Achtung ihr zu tun war, mit einer besonderen Aufmerksamkeit zu
schmeicheln, in seine Ideen so lange als möglich einzugehen, sobald sie aber
ganz über ihren Horizont waren, mit Ekstase eine solche neue Erscheinung
aufzunehmen. Sie verstand zu sprechen und zu schweigen und, ob sie gleich kein
tückisches Gemüt hatte, mit großer Vorsicht aufzupassen, wo des andern schwache
Seite sein möchte.
 
                                Sechstes Kapitel
Melina hatte sich indessen nach den Trümmern der vorigen Direktion genau
erkundigt. Sowohl Dekorationen als Garderobe waren an einige Handelsleute
versetzt, und ein Notarius hatte den Auftrag von der Direktrice erhalten, unter
gewissen Bedingungen, wenn sich Liebhaber fänden, in den Verkauf aus freier Hand
zu willigen. Melina wollte die Sachen besehen und zog Wilhelmen mit sich. Dieser
empfand, als man ihnen die Zimmer eröffnete, eine gewisse Neigung dazu, die er
sich jedoch selbst nicht gestand. In so einem schlechten Zustande auch die
