 genug hätte,
bei seinen Arbeiten zu leiten? Ich bin überzeugt, es könnten auf diesem Wege
manche sehr unterhaltende, zugleich nützliche und lustige Stücke ersonnen
werden.«
    »Soviel ich«, sagte Laertes, »überall, wo ich herumgeschwärmt bin, habe
bemerken können, weiß man nur zu verbieten, zu hindern und abzulehnen, selten
aber zu gebieten, zu befördern und zu belohnen. Man lässt alles in der Welt gehen,
bis es schädlich wird; dann zürnt man und schlägt drein.«
    »Lasst mir den Staat und die Staatsleute weg«, sagte Philine, »ich kann mir
sie nicht anders als in Perücken vorstellen, und eine Perücke, es mag sie
aufhaben, wer da will, erregt in meinen Fingern eine krampfhafte Bewegung; ich
möchte sie gleich dem ehrwürdigen Herrn herunternehmen, in der Stube
herumspringen und den Kahlkopf auslachen.«
    Mit einigen lebhaften Gesängen, welche sie sehr schön vortrug, schnitt
Philine das Gespräch ab und trieb zu einer schnellen Rückfahrt, damit man die
Künste der Seiltänzer am Abende zu sehen nicht versäumen möchte. Drollig bis zur
Ausgelassenheit, setzte sie ihre Freigebigkeit gegen die Armen auf dem Heimwege
fort, indem sie zuletzt, da ihr und ihren Reisegefährten das Geld ausging, einem
Mädchen ihren Strohhut und einem alten Weibe ihr Halstuch zum Schlage
hinauswarf.
    Philine lud beide Begleiter zu sich in ihre Wohnung, weil man, wie sie
sagte, aus ihren Fenstern das öffentliche Schauspiel besser als im andern
Wirtshause sehen könne.
    Als sie ankamen, fanden sie das Gerüst aufgeschlagen und den Hintergrund mit
aufgehängten Teppichen geziert. Die Schwungbretter waren schon gelegt, das
Schlappseil an die Pfosten befestigt, und das straffe Seil über die Böcke
gezogen. Der Platz war ziemlich mit Volk gefüllt und die Fenster mit Zuschauern
einiger Art besetzt.
    Pagliass bereitete erst die Versammlung mit einigen Albernheiten, worüber die
Zuschauer immer zu lachen pflegten, zur Aufmerksamkeit und guten Laune vor.
Einige Kinder, deren Körper die seltsamsten Verrenkungen darstellten, erregten
bald Verwunderung, bald Grausen, und Wilhelm konnte sich des tiefen Mitleidens
nicht enthalten, als er das Kind, an dem er beim ersten Anblicke teilgenommen,
mit einiger Mühe die sonderbaren Stellungen hervorbringen sah. Doch bald
erregten die lustigen Springer ein lebhaftes Vergnügen, wenn sie erst einzeln,
dann hintereinander und zuletzt alle zusammen sich vorwärts und rückwärts in der
Luft überschlugen. Ein lautes Händeklatschen und Jauchzen erscholl aus der
ganzen Versammlung.
    Nun aber ward die Aufmerksamkeit auf einen ganz andern Gegenstand gewendet.
Die Kinder, eins nach dem andern, mussten das Seil betreten, und zwar die
Lehrlinge zuerst, damit sie durch ihre Übungen das Schauspiel verlängerten und
die Schwierigkeit der Kunst ins Licht setzten. Es zeigten sich auch einige
Männer und erwachsene Frauenspersonen mit ziemlicher
